Tanzende Flöhe – Ukuli, Ukula, Ukulele!

– Ein Text von Anders Orth (Lila Lindwurm) –

Ukulelen - die kleinen Schwestern der Gitarre

Ukulelen – die kleinen Schwestern der Gitarre

Die kleine Schwester der Gitarre erlebt gerade ihren – mindestens – dritten Frühling. Das ist auch gut so, und zwar nicht nur, weil die Ukulele für das Singen und Musizieren in Kita und Grundschule so gut geeignet ist.

Es gibt viele Legenden, wie das Instrument zu seinem Namen kam, aber die schönste ist die von dem portugiesischen Auswanderer, der im Jahre 1879 mit seinem Schiff den Hafen von Honolulu erreichte. Fortan unterhielt er die Hawaiianer mit portugiesischen Volksliedern, die er auf einer „Braguinha“ (einer kleinen, viersaitigen Gitarre, die von der portugiesischen Insel Madeira stammt) begleitete. Die Hawaiianer verglichen das witzige „Springen“ seiner Finger über die Saiten mit tanzenden Flöhen – was auf hawaiianisch eben „uku lele“ heißt.

Der musikalische Siegeszug der Ukulele

Egal, ob die Geschichte so stimmt, auf jeden Fall eroberte die leicht veränderte „Braguinha“ als Ukulele rasend schnell die Insel. Das war ihr erster Frühling! Ab ca. 1915, wohl ausgelöst durch die Panama-Pazifik Ausstellung, bei der Hawaii die Ukulele präsentierte, setzte sie ihren musikalischen Siegeszug fort und wurde auch in den USA immer populärer. Immer mehr amerikanische Hobby- und Profimusiker erlagen dem unwiderstehlichen Charme des „Flohhüpfinstruments“. Obwohl die Begeisterung mit dem Aufkommen des „Rock ’n‘ Roll“ in den 50er-Jahren etwas abflaute und dem zweiten Frühling einen kleinen „Winterschlaf“ verpasste, geriet sie nie ganz in Vergessenheit.

In Europa sorgte Stefan Raab dann für die nächste Ukulele Charmeoffensive. Der dritte Frühling konnte beginnen. Als dann noch der hawaiianische Musiker Israel „IZ“ Kamakawiwo´ole ab 2007 mit seinem auf der Ukulele begleiteten Medley aus „Over the rainbow“ und „What a wonderful world“ die Charts stürmte, war das sympathische Instrument nahezu weltweit in den Herzen der Menschen angekommen.

Zum Selberspielen für kleinere Kinderhände hervorragend geeignet

Für meine KollegInnen und mich, die sich zum Ziele gesetzt haben, mit und für Kinder zu musizieren und dafür ganz spezielle Lieder zu schreiben, ist der am Anfang erwähnte Aspekt des gemeinsamen Musizierens von groß und klein natürlich sehr wichtig. Zum einen, weil die Ukulele durch ihre Größe (bzw. ihre „Kleine“) zum Selberspielen für die kleineren Kinderhände hervorragend geeignet ist.

Sie wirkt wie eine „Kindergitarre“, ist aber tatsächlich ein vollwertiges Instrument. Man kann sie als kleine Schwester der Gitarre bezeichnen, die durch den verkürzten Hals einfach eine Quart bzw. eine Quint (je nach Stimmung) höher klingt als ihre große Schwester. Der zweite Vorteil in der Spielbarkeit ergibt sich durch den Verzicht auf die beiden tiefen Saiten der Gitarre (also E und A). Dadurch erklingt bei der Ukulele in der C-Stimmung (dann eine Quart höher als die Gitarre -g-c-e-a) offen gespielt, also ohne dass man eine Saite greift, ein C6 Akkord.

Ukulele Schule von Birte Reuver und Annett Hermes

Und voila! Schon kann man einfache Lieder begleiten. Versucht es doch mal mit „Laterne, Laterne“, „Bruder Jakob“ und „Row your boat“. Der besondere, pfiffige Ukulelensound kommt übrigens vor allem dadurch, dass die (von oben gesehen) oberste Saite einfach eine Oktave höher gestimmt ist.

Damit ist auch schon der noch fehlende „zum anderen“ Aspekt erklärt, weshalb sich die Ukulele speziell für den Einsatz in Kita und Grundschule eignet. Auch für noch „unbedarfte“ Erwachsene und solche mit nur einfachen Grundkenntnissen in der Musik z. B. auf der Gitarre, ist die Ukulele schnell zu erlernen. So kann einfach und schnell Livemusik zu den Kindern gebracht werden.

Um das Musizieren mit der Ukulele auf fundierte Füße zu stellen, hat die Kinderliedermacherkollegin Birte Reuver unter Mitwirkung von Annett Hermes für das Netzwerk kindermusik.de eine Ukulele Schule verfasst, die einen kleinen, kompakten und effizienten Schulungsteil mit mehr als 100 alten und neuen Volks- und Kinderliedern verbindet. Allesamt mit höchstens drei Akkorden, natürlich nicht immer mit denselben drei. Unterstützt von einer mp3-CD und einem ausführlichen Tutorial auf „You Tube“.

Damit sind wir als KinderliedermacherInnen hoffentlich wieder einen großen Schritt weitergekommen, die Musik in die Herzen der Kinder, also der kommenden Erwachsenen zu tragen.

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