Wie Kinderlieder die Entwicklung von Kindern beeinflussen – eine empirische Studie

– Ein Text von Leonora Kamper –

Viel Spaß beim Kinderliederfestival in Mönchengladbach: Doch inwiefern können Kinderlieder die Entwicklung von Kindern beeinflussen?

Viel Spaß beim Kinderliederfestival in Mönchengladbach: Doch inwiefern können Kinderlieder die Entwicklung von Kindern beeinflussen?

Schon in frühen Jahren durfte ich, durch den Beruf meiner Eltern als Kinderliedermacher, in die Welt der Kindermusik eintauchen. Ich bekam die Chance, hinter die Kulissen zu schauen und zu sehen, wie Kinderlieder entstehen. Ich habe nicht, wie andere Kinder, nur Musik gehört und bin auf Kinderkonzerte gegangen, sondern ich konnte das Kinderlied auch von einer ganz anderen Seite betrachten.

Ich beobachtete, wie sich eine Idee zu einem Lied entwickelte, durfte Texte schreiben, singen und das Ganze später als fertiges Lied anhören und bestaunen. Ich konnte sehen, wie aus dem Nichts etwas entstand, wie Musik entstand. Ein Prozess, den viele Kinder in ihrer Entwicklung nicht mitbekommen.

Doch das, was am Ende “herauskommt“, das Produkt, ein fertiges Lied, das ist es, was die Kinder auf der ganzen Welt, überall, zu hören bekommen. Etwas, was sie berührt, bewegt oder zum Mitmachen anregt, etwas, was ihnen Freude bereitet, sie entspannt oder ihnen vielleicht sogar etwas Wichtiges vermittelt.

Was macht Musik mit Kindern?

Dieser Einfluss von Musik ist es, der mein Interesse geweckt hat. Denn überall war Musik, überall entstand Musik. Und so begleitete mich Musik mein ganzes Leben lang. Die Musik wurde ein Teil von mir.

Ein Leben ohne Musik ist für mich heute gar nicht vorstellbar, da sie immer noch einen so großen Teil meines Lebens ausmacht. Die Musik hat mich in meiner Entwicklung geprägt und ohne sie würde ich heute vermutlich nicht da stehen, wo ich jetzt bin. Natürlich frage ich mich da, inwiefern Musik andere Kinder auch geprägt hat. Was macht Musik mit Kindern? Hat Musik die Macht, Biographien zu beeinflussen und Kindern etwas ganz Bestimmtes mit auf den Weg zu geben, etwas, das sie in ihrer Entwicklung weiterbringt?

Um die Fragestellung dieser Facharbeit zu beantworten, wurde eine eigene empirische Studie durchgeführt. Dafür wurden Fragebögen erstellt und diese in einem Kindergarten an Eltern verteilt. Der Fragebogen enthielt insgesamt neun Fragen aus verschiedenen Bereichen rund um Kinderlieder und die Kindesentwicklung durch Musik. Der Fragebogen war dabei offen gestaltet, das heißt, den Eltern wurden keine direkten Antwortmöglichkeiten vorgeschrieben, sondern es stand ihnen frei, auf bestimmte Fragen ausführlicher oder weniger ausführlicher zu antworten.

Die erste Frage lautete: Haben Ihre Kinder im Alter von 3-8 Jahren Kinderlieder gehört bzw. hören sie diese altersbedingt immer noch? Alle befragten Eltern, 100 Prozent, beantworteten diese Frage mit Ja. Dies zeigt, dass Musik im Leben aller 28 Kinder eine große Rolle gespielt hat bzw. immer noch eine sehr große Rolle spielt (siehe Diagramm zu Frage 1).

Als zweites sollten die Eltern auf die Frage antworten, ob ihre Kinder zudem Kinderkonzerte besucht haben bzw. immer noch besuchen. Diese Frage sollte den sozialen Faktor auf Konzerten mit einbringen und so auch einen Einblick in den sozialen Entwicklungsbereich liefern. Dabei kam heraus, dass 82,2 Prozent der Kinder schon einmal Kinderkonzerte besucht haben und nur 17,8 Prozent, meist aus Altersgründen, da sie noch zu jung sind, keine Kinderkonzerte besucht haben (siehe Diagramm zu Frage 2).

Dass 82,2 Prozent der Kinder schon einmal auf Kinderkonzerten waren, lässt bei diesen Kindern eine hohe soziale Interaktion vermuten. Diese hohe soziale Interaktion begünstigt laut Definition die Entwicklung der sozialen Kompetenz und fördert so die Kommunikation und das Verhalten gegenüber anderen Menschen. Nicht nur für den sozialen Entwicklungsbereich spielen Kinderkonzerte eine große Rolle, auch die anderen Entwicklungsbereiche der Kinder können durch Kinderkonzerte gefördert werden.

Kinderkonzerte können auch die kognitive Entwicklung von Kindern fördern

„Die Kombination aus ‚Musik und Bewegung’ trainiert die Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen, fördert die Sprache, schult die Kreativität und ermöglicht Gemeinschafts-Erlebnisse“, schreibt der Pädagoge Roland Schneider in seiner Diplomarbeit über die pädagogische Bedeutung von Kinderliedern. Auch der kognitive Entwicklungsbereich von Kindern kann auf Kinderkonzerten also gefördert werden und so eine hohe kognitive Kompetenz erreicht werden.

In der dritten Frage, in der die 14 befragten Eltern den Einfluss von Kindermusik auf ihre Kinder beschreiben sollten, stellten alle Eltern den Einfluss als sehr groß und positiv dar. Viele erläutern, dass die Musik einen hohen Stellenwert im Leben ihrer Kinder habe und extrem wertvoll und wichtig für deren Entwicklung sei. 42,8 Prozent der befragten Eltern beschrieben den Einfluss von Kindermusik auf den sozialen Entwicklungsbereich ihrer Kinder als sehr deutlich. Viele gaben an, dass Musik ein Gruppengefühl aufbauen kann bzw. dieses stärken kann. Andere schrieben, man könne Kinder mit Musik dazu animieren, sich kennenzulernen, da die Kinder offener auf andere Kinder zugehen würden, wenn sich Gesprächsthemen durch die Musik entwickeln könnten. Insgesamt könne Musik eine starke sozial integrierende Wirkung haben. Musik sei eine Sprache, die jeder versteht. Musik könne sogar Nationen verbinden.

Ebenfalls 42,8 Prozent der befragten Eltern beschrieben auch die Auswirkungen auf den emotionalen Entwicklungsbereich als sehr groß. Viele sagten, Musik löse positive Emotionen und sogar Entspannung in ihren Kindern aus. Außerdem wirke sie beruhigend auf sie und könne Angst und sogar Aggressionen auch in schweren Lebenssituationen abbauen. Die Kinder würden lernen, sich in andere Gefühlslagen hineinzuversetzen, auch wenn sie in der Situation etwas anderes fühlen.

Kindermusik kann Fröhlichkeit in Kindern hervorrufen und macht sie ausgeglichener

Zudem würde sich Kindermusik auf die Laune der Kinder niederschlagen und Fröhlichkeit in ihnen hervorrufen. Insgesamt würden sie die Regulation von eigenen Gefühlen durch die Musik erlernen und so entspannter und ausgeglichener sein. 35,7 Prozent der befragten Eltern beschrieben den Einfluss von Kindermusik auf die Konzentration als deutlich erkennbar. 42,8 Prozent beschrieben die Auswirkungen auf die Sprache ihrer Kinder als sehr offensichtlich.

Die Autorin der Studie Leonora Kamper

Die Autorin der Studie Leonora Kamper

Diese Aspekte der kindlichen Entwicklung lassen sich unter dem Begriff der kognitiven Entwicklung zusammenfassen. Viele Eltern beschrieben, dass Kindermusik ihren Kindern beim Lernen helfen und ihnen zudem die Möglichkeit geben würde, sich besser zu konzentrieren und sich Sachen auch besser merken zu können. Andere beschrieben auch, dass das Sprachvermögen ihrer Kinder für ihr Alter sehr weit entwickelt sei und, dass  Kindermusik auch das Erlernen von weiteren Sprachen für die Kinder erleichtern könne.

Kinderlieder können sich positiv auf die Konzentration von Kindern auswirken

Insgesamt würden sich Kinderlieder also positiv auf die Konzentration und Merkfähigkeit von Kindern auswirken und sie in ihrer Sprachentwicklung erheblich fördern. Um die Ergebnisse zusammenzufassen, lässt sich sagen, dass alle Befragten Eltern den Einfluss auf die drei ausgewählten Entwicklungsbereiche (sozial, emotional und kognitiv) als sehr deutlich und durchweg positiv beschreiben.

Die vierte Frage bezog sich auf den Inhalt von Kinderliedern und behandelte die Frage, ob die Eltern bei Kinderliedern großen Wert auf den Text legen und ob diese pädagogisch wertvoll sein müssen. Diese Frage zielte darauf ab herauszufinden, was aus Elternsicht bei Kinderliedern geht und was nicht.

Viele Lieder haben Texte mit nicht kindgerechten Inhalten, was also bei den Kindern nicht zu einer Entwicklungsförderung führen kann, sondern die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen eventuell sogar vermindern kann. 71,4 Prozent der befragten Eltern beantworteten die Frage, ob sie großen Wert auf die Texte legen, mit Ja. Viele Eltern schrieben, die Texte sollten altersgerecht und leicht verständlich sein, damit das Kind sie verstehen und sich merken könne, um ihnen so z.B. das Lernen zu erleichtern.

28,6 Prozent der Befragten antworteten allerdings mit Nein (siehe Diagramm zu Frage 4a). Für sie sei es wichtiger, dass die Kinder an der Musik Spaß haben würden und da käme es nicht so sehr auf die Texte an. Auf die Frage, ob Kinderlieder pädagogisch wertvoll sein müssen antworteten 42,8 Prozent mit Ja und 42,8 Prozent mit Nein. 14,3 Prozent gaben keine Antwort auf den letzten Teil der Frage (siehe Diagramm zu Frage 4b).

Viele der Eltern, die für Kinderlieder mit pädagogisch wertvollen Texten waren, schrieben, dass Kinderlieder bei der Erziehung helfen würden und, dass pädagogisch wertvolle Inhalte, in denen z.B. Anstandsregeln oder Werte vermittelt werden, die Kinder in ihrer Entwicklung weiter bringen würden als Kinderlieder mit nicht pädagogisch wertvollem Inhalt.

Die Eltern hingegen, die gegen Kinderlieder mit pädagogisch wertvollen Texten waren, schrieben, dass man die Musik nicht missbrauchen sollte, um den Kindern etwas „überzustülpen“ oder um sie zu belehren. Es ginge mehr darum, dass die Texte ins Ohr gingen und schön klingen würden und weniger um die Bedeutung der Texte. Insgesamt achten also viele Eltern, über 70 Prozent, auf die Texte und legen auch einen großen Wert darauf. Ob diese allerdings pädagogisch wertvoll sein müssen, ist ihnen dabei nicht ganz so wichtig wie die Texte an sich.

Viele Eltern befürworten kritische Kinderlieder

In Frage fünf ginge es darum, ob Kinderlieder kritisch oder politisch sein dürfen. Auf die Frage, ob Kinderlieder kritisch sein dürfen, antworteten 57,1 Prozent der befragten Eltern mit Ja, 21,4 Prozent mit Nein und wiederum 21,4 Prozent der Befragten enthielten sich (siehe Diagramm zu Frage 5a). Die 57,1 Prozent der Eltern, die Kinderlieder mit kritischen Inhalten für ihre Kinder gut fanden, schrieben, dass kritische Inhalte in Kinderliedern den Kindern beibringen würden, Dinge zu hinterfragen, und nicht alles einfach so hinzunehmen, wie es ist.

Die 21,4 Prozent der befragten Eltern, die kritischen Inhalten in Kinderliedern abgeneigt gegenüber standen, schrieben, dass es für die Kinder in ihrem Alter noch zu früh wäre, an kritische Inhalte herangeführt zu werden, und dass man solche Inhalte mit Vorsicht genießen solle, da man durchaus einen großen Einfluss auf die kindliche Meinungsbildung nehmen könne.

Zu der Frage, ob Kinderlieder politisch sein dürfen, äußerten sich 42,8 Prozent positiv. Kinderlieder, die eine politische Einstellung vertreten, könnten vor allem in der heutigen Zeit hilfreich bei der Erziehung von vernünftigen Erwachsenen sein, die sich anständig benehmen und Dinge auch hinterfragen würden. Man könne Kindern z. B. so vermitteln, dass jeder Mensch gleich ist, egal aus welcher Nation er kommt.

Gleichermaßen viele, 42,8 Prozent der befragten Eltern, standen politischen Kinderliedern allerdings eher abgeneigt gegenüber. Diese fanden, dass politische Inhalte für ihre Kinder noch zu früh wären und für sie noch zu schwer zu verstehen seien, da die Politik ein sehr komplexes Thema sei. 14,3 Prozent der Eltern gaben keine Antwort auf diese Frage (siehe Diagramm zu Frage 5b).

Insgesamt fand es über die Hälfte der befragten Eltern wichtig, dass ihre Kinder zum Einen durch kritische Inhalte ihre kognitive Kompetenz weiterentwickeln, indem sie Sachen kritisch hinterfragen und sich nicht mit der einfachsten Lösung zufrieden geben. Zum Anderen fanden sie es wichtig, dass ihre Kinder durch politische Inhalte ihre soziale Kompetenz ausbauen und so z.B. lernen und akzeptieren, dass alle Menschen gleich sind, und es nicht wichtig ist, woher man kommt.

Zu Frage sechs, ob die Eltern sich jemals kritisch mit dem Thema bzw. Text eines Kinderliedes auseinander gesetzt haben, antworteten 50 Prozent mit Ja und 50 Prozent mit Nein (siehe Diagramm zu Frage 6). Die eine Hälfte der Eltern, die sich kritisch mit Kinderliedern auseinandersetzt, schrieb, dass sie zum Einen sehr auf die Ausdrucksweise des Sängers/der Sängerin achten und zum Anderen darauf, dass die Kinder alles verstehen und die Texte altersentsprechend sind. Dabei sollten z.B. Themen wie Gewalt oder Tod vor allem bei Liedern für kleinere Kinder nicht vorkommen.

Kinderliedertexte sollten den Kindern Spaß machen

Die andere Hälfte der Eltern schrieb, dass sie sich nicht mit den Themen oder Texten eines Liedes auseinandersetzen, ihnen sei wichtiger, dass die Lieder den Kindern Spaß machen und nicht, ob die Themen und Texte 100 Prozent kindgerecht seien.

Die siebte Frage danach, ob die Eltern jemals mitbekommen haben, dass ihre Kinder sich mit dem Thema bzw. Text eines Kinderliedes auseinander gesetzt haben, bildete ein Gegenstück zu Frage sechs. Dabei zeigte sich ein deutlich anderes Ergebnis als bei der vorherigen Frage.

78,6 Prozent der befragten Eltern sagten, dass sie schon einmal mitbekommen hätten, wie ihre Kinder sich mit dem Thema bzw. Text eines Kinderliedes auseinander gesetzt haben. Sie beschrieben, dass ihre Kinder öfter nach einzelnen Wörtern fragen würden, die sie nicht verstehen. Oder, dass manche Lieder den Kindern nicht gut gefielen und die Kinder diese dann nicht mehr hören wollten. Zudem beschrieben einige, dass viele Kinder, auch aus ihrem Bekanntenkreis, Texte genau anhören und hinterfragen würden bzw. in bestimmten Situationen ein passendes Kinderlied im Repertoire haben und lossingen würden.

Die restlichen 21,4 Prozent der Befragten sagten, dass sie nie wirklich mitbekommen haben, wie ihre Kinder sich mit dem Thema bzw. Text eines Kinderliedes auseinander gesetzt haben (siehe Diagramm zu Frage 7). Sie schrieben, dass ihre Kinder Musik nur zum Spaß hören und sie manchmal einfach mitsingen würden, ohne zu wissen, was der Text bedeuten würde.

Insgesamt lässt sich allerdings eine sehr hohe kognitive Kompetenz der Kinder gegenüber Kinderliedern erkennen, viele der Kinder hören die Musik nicht nur, sondern hinterfragen diese auch. Die kognitive Kompetenz der Kinder steht hierbei in einem starken Kontrast zu der kognitiven Kompetenz der Eltern gegenüber Kinderliedern, bei ihnen kommt stark heraus, dass die kritische Auseinandersetzung mit den Texten nicht mehr so stark ausgebildet ist wie es bei ihren Kindern noch der Fall ist.

Bei der Beantwortung der Frage acht sollten die Eltern eine persönliche Einschätzung abgeben, wie ihre Kinder sich ohne Kindermusik entwickelt hätten. Diese Frage sollte das Gegenstück zu Frage drei bilden und zeigen, wie ein Leben ohne Musik für die Kinder ausgesehen hätte. 35,7 Prozent der Eltern stellten sich die Entwicklung ihrer Kinder ohne Kindermusik weniger fröhlich vor und sagten, dass ihre Kinder vermutlich nicht so viel Freude am Leben und am Lernen gehabt hätten.

Musik kann der Entwicklung eines Kindes Leichtigkeit schenken

Viele sagten auch, Musik allgemein schenke dem Leben und der Entwicklung eines Kindes die Leichtigkeit und Lebendigkeit, die man zum glücklich sein brauche. 7,1 Prozent der befragten Eltern antworteten, ihre Kinder hätten ihre Phantasie weniger entwickeln und ausprägen können, hätten sie in ihrem Leben keine Musik gehört. Dabei teilten auch einige Eltern mit, dass Musik den Kindern beim Träumen und beim Ablenken helfe.

14,3 Prozent der Eltern beschrieben eine Entwicklung ihrer Kinder ohne Kindermusik als weniger entspannt und ausgeglichen. Viele der Eltern bemerkten, welchen großen Teil der Erziehung die Musik einnehme und, dass Kinder Musik brauchen würden, um sich abzureagieren oder runterzufahren, man könne den Kindern nämlich mit Musik unterschiedliche Stimmungen vermitteln und sie beeinflussen.

Diese Teile der kindlichen Entwicklung würde man unter der emotionalen Entwicklung zusammenfassen. Wenn diese Faktoren durch das Fehlen von Musik im Leben der Kinder wegfallen würden, könnten die Kinder also nur sehr begrenzt eine emotionale Kompetenz entwickeln.

Kindermusik kann die Sprachentwicklung fördern

21,4 Prozent der Befragten schrieben, dass Kindermusik ihren Kindern erhebliche Fortschritte in ihrer Sprachentwicklung eingeräumt hätte und dass diese Fortschritte ohne Kindermusik nicht da bzw. nicht so enorm gewesen wären. 7,1 Prozent der Befragten antworteten, dass die Konzentration ihrer Kinder ohne Musik auffallend schlechter wäre und sie zudem nicht mehr so merkfähig wären.

Diese Aspekte werden zur kognitiven Entwicklung eines Kindes gezählt, durch die ein Kind eine kognitive Kompetenz entwickeln kann. Wie auch bei der emotionalen Kompetenz kann ein Kind durch das Fehlen von Musik nur deutlich schwerer eine solche kognitive Kompetenz aufbauen.

Musik wirkt sich auf die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern aus

21,4 Prozent der befragten Eltern antworteten, dass ihre Kinder ohne Kinderlieder und Kinderkonzerte nicht so viel soziale Interaktion hätten erfahren dürfen. Insgesamt wäre ihre soziale Kompetenz nicht so weit ausgeprägt wie durch die Musik, da sie durch die Musik lernen, respektvoll mit anderen umzugehen und auf die anderen zu achten.

Außerdem äußerten 21,4 Prozent der Eltern, dass sich die Motorik ihrer Kinder ohne Kindermusik deutlich schlechter entwickelt hätte. Ganze 28,6 Prozent der befragten Eltern konnten sich ein Leben und damit eine Entwicklung ihrer Kinder ohne Musik nicht vorstellen und gaben keine Antwort auf diese Frage (siehe Diagramm S.18). Alles in allem kann man also wie auch bei Frage drei sagen, dass sich die Musik auf alle drei Entwicklungsbereiche, sozial, emotional und kognitiv, auswirkt, nur dass es beim Fehlen von Musik im Alltag der Kinder nicht zu einer Entwicklung und Förderung in diesen Bereichen kommt, sondern die Kinder schlechtere Chancen haben, ihre soziale, emotionale und kognitive Kompetenz auszubauen.

Frage neun, die letzte Frage, bezog sich darauf, ob der Musikgeschmack der Eltern den ihrer Kinder beeinflusst hat. Diese Frage spielte darauf an, dass die Entwicklung der Kinder in den verschiedenen Bereichen, besonders in den frühkindlichen Entwicklungsjahren, nicht losgelöst von den Eltern geschehen und erfahren werden kann. Dabei legten 57,2 Prozent der Eltern dar, dass sie eine Beeinflussung durch ihren eigenen Musikgeschmack und ihre eigenen Präferenzen an ihren eigenen Kindern erkennen konnten.

Eltern haben für ihre Kinder eine Vorbildfunktion für Musik

Viele Eltern schilderten, dass ihre Kinder merken würden, wenn ihnen ein Lied gefällt und es dann auch mögen würden. Andere stellten dar, dass eine Beeinflussung automatisch passieren würde und sie für ihre Kinder sozusagen als Vorbildfunktion für Musik dienen würden.

28,6 Prozent der befragten Eltern antworteten auf die Frage, ob ihr Musikgeschmack den von ihren Kindern beeinflusst hat, ganz klar mit Nein. Diese beschrieben allerdings, dass ihre Kinder noch zu jung seien, um eine Beeinflussung festzumachen, aber auch, dass sie glauben, jeder Musikgeschmack sei individuell, so auch der ihrer Kinder, und sie als Eltern hätten keinen besonders großen Einfluss darauf.

7,1 Prozent der Befragten waren sich nicht sicher, ob sie einen Einfluss auf den Musikgeschmack ihrer Kinder genommen haben. Ebenfalls 7,1 Prozent gaben keine Antwort auf diese Frage ab (siehe Diagramm zu Frage 9). An der Beeinflussung des Musikgeschmacks kann man also erkennen, wie stark die Kinder in allen Lebenslagen durch die Eltern beeinflusst werden.

Eltern geben durch Musik ein Stück ihrer eigenen Entwicklung an die Kinder weiter

Das heißt, wenn die Eltern in ihrem Leben z.B. eine sehr starke emotionale Kompetenz entwickelt haben, wirkt sich dies meist auch automatisch auf die emotionale Kompetenz der Kinder aus. Dies spiegelt sich dann auch in der Beeinflussung des Musikgeschmacks wider, da die Eltern Lieder bevorzugen, in denen den Kindern eine hohe emotionale Kompetenz näher gebracht wird. Erst in späteren Entwicklungsjahren entwickeln die Kinder dann einen eigenständigen Musikgeschmack, welcher doch meistens trotzdem geprägt von dem der Eltern ist.

Insgesamt kann man also erkennen, dass über die Hälfte der befragten Eltern eine Beeinflussung durch den eigenen Musikgeschmack auf den Musikgeschmack der Kinder erkennen konnte. Dabei geben die Eltern durch die Musik, meist eher unbewusst, ein Stück ihrer eigenen Entwicklung und Erfahrung an die Kinder weiter, um diese in ihren verschiedenen Entwicklungsbereichen zu fördern. Einige der Eltern beschrieben zudem auch noch eine Wechselwirkung in der Beeinflussung ihres Musikgeschmacks und dem ihrer Kinder. Sie schrieben, dass teilweise auch der Musikgeschmack ihrer Kinder ihren eigenen Musikgeschmack beeinflusst habe.

Musik kann eine große Hilfe bei der Kindererziehung sein

Um die Ergebnisse der empirischen Studie zusammenzufassen, lässt sich sagen, dass die Musik im Leben und Alltag aller Kinder der befragten Eltern eine große Rolle spielt. Als ein sehr auffallendes Ergebnis der Studie kann man erkennen, welchen hohen Stellenwert die Eltern der Musik bei der Entwicklung von ihren Kindern einräumen.

Auf Kinderkonzerten findet eine hohe soziale Interaktion statt.

Auf Kinderkonzerten findet eine hohe soziale Interaktion statt.

Alle Eltern sind davon überzeugt, dass Kindermusik einen sehr großen und positiven Einfluss auf ihre Kinder hat und können sich ein Leben ohne Musik für ihre Kinder nicht vorstellen. Zudem ist Musik laut der Eltern eine große Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder.

Dabei ist festzuhalten, dass alle Eltern einen erheblichen Fortschritt der sozialen Entwicklung ihrer Kinder durch das Hören von Kinderliedern beschreiben. Da in einer Generation meist die gleiche Musik gehört wird, können in Kindergruppen leichter Gesprächsthemen für die Kinder entstehen und sie können sich schneller anfreunden.

Bewegungs- und Mitmachlieder fördern das Sozialverhalten

Zudem kommt noch ein großer Faktor, die Kinderkonzerte, dazu. Auf Kinderkonzerten findet eine hohe soziale Interaktion statt. Bewegungs- und Mitmachlieder auf Kinderkonzerten unterstützen die Kontaktaufnahme, tragen zur Kommunikation bei und fördern so das Sozialverhalten. Das heißt, zum Einen interagieren die Kinder untereinander, sie unterhalten sich, können zusammen mitsingen und mittanzen. Zum Anderen interagieren die Kinder aber auch mit dem Kinderliedermacher/der Kinderliedermacherin, welche/r auf der Bühne steht. So entsteht bei den Kindern eine hohe soziale Kompetenz, welche dann bestimmt, wie gut die Kinder sich in einer Gruppe von Menschen zurechtfinden.

Auf Kinderkonzerten wird allerdings auch die kognitive Entwicklung von Kindern angeregt. Die Kinder lernen, für eine bestimmte Zeit aufmerksam und konzentriert zu sein und nehmen die Texte aufmerksam wahr. So kann sich auch ihr sprachliches Verständnis durch die Musik um einiges verbessern, was auch viele Eltern bei ihren Kindern erkennen konnten. Insgesamt wird auch hier durch die Musik eine hohe kognitive Kompetenz erreicht, was die Kinder auch dazu bringen kann, Sachen kritisch zu hinterfragen.

Durch Musik können Kinder lernen, ihre Gefühle zu regulieren

Zudem kommt stark heraus, dass Musik die emotionale Entwicklung der Kinder enorm fördern kann. Das heißt, sie lernen, durch die Musik ihre Gefühle zu regulieren, da sie sich z.B. durch die Musik abreagieren können und so ausgeglichener werden. Außerdem kann sich durch das Hören von Kinderliedern die Empathie der Kinder weiter ausbilden und sich so eine hohe emotionale Kompetenz entwickeln. Kinder, die in ihrer Kindheit Musik hören, erfahren also in ihrem Alltag mehr Fröhlichkeit und haben mehr Möglichkeiten, durch die Musik zu träumen und ihre Phantasie weiterzuentwickeln.

Insgesamt lässt sich die These also bestätigen, dass Kinderlieder einen enormen und bedeutenden Einfluss auf die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern haben.

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4 Antworten

  1. Klingt interessant, obwohl bei mir einige Fragen offen blieben, beispielsweise die Gesamtanzahl der Befragten Eltern, deren sozial-ethnische Herkunft. Oder ich frage mich, was heißt kritische Auseinandersetzung der Kinder mit dem Lied genau? Von sich aus oder durch Nachfragen der Erwachsenen?

  2. Diese Erfahrung habe auch ich immer wieder machen können!!! Zudem sind Kinder sehr dankbare und dabei ehrliche und direkte
    Zuhörer/Zuschauer!

  3. geraldino sagt:

    Wow! Toll! Hut ab – junge Frau! Grüße Geraldino

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