Kann man davon leben?

Geld verdienen mit Kinderliedern – wie geht das?

– Ein Text von Matthias Meyer-Göllner –

Die Kasse ist voll - aber reicht es zum Leben?

Die Kasse ist voll – aber reicht es zum Leben?

Natürlich, diese häufig zitierte Lokalreporterfrage, die in ausgelassener Runde von Kinderliedermachern und Kinderliedermacherinnen gern für sarkastische Heiterkeit sorgt, haben wir alle auf unsere mehr oder weniger originelle Art schon beantwortet. Ich pflege in der Regel auf meinen Bauch zu zeigen, um dann zu entgegnen: Wie sieht es denn aus?

Über Geld spricht man nicht.

Der Deutsche spricht im Allgemeinen nicht gerne über Geld und vor allem nicht darüber, wieviel er verdient. Das gilt übrigens für die Deutsche noch stärker: Einer Postbank-Studie zufolge gaben 63% der Männer und sogar 64% der Frauen an, nicht über ihr Gehalt sprechen zu wollen. – Warum sollten wir aus der Kinderliederzunft da eine Ausnahme sein?

Das macht es natürlich schwierig, zu vergleichen und dann zu ermitteln, wie wir am besten unsere finanzielle Situation verbessern könnten. Das fängt schon bei den CD-Verkaufszahlen an: Der Eine ist verzweifelt, weil er seine fünfstellige Stückzahl nicht mehr erreicht, der Andere freut sich, weil er erstmals mehr als 500 CDs im Jahr verkauft hat.

„Die CD ist tot!“

Das haben wir in letzter Zeit häufiger gehört. Allerdings scheint ihr Sterben einen sehr langen Weg zu gehen. Folgt man den Zahlen des Bundesverbandes der Musikindustrie, gehen zwar die Umsatzzahlen der verkauften physischen Tonträger insgesamt weiter zurück: Zwischen 2015 und 2016 nahm der Verkauf um 6,7% ab. Im Kinderbereich jedoch steigen die Umsatzzahlen nach wie vor. In allen Bereichen deutlich rückläufig sind allerdings die Umsätze bei Downloads (ca. -20%), während die Kurve für Audio-Streamings steil nach oben zeigt (+72,2%).

Auch wir Kreative müssen uns mit Geld beschäftigen.

Müssen wir uns mit solchen Fragen überhaupt beschäftigen? Eigentlich fühle ich mich als kreativer Mensch damit überfordert. „Allerdings spüren wir, dass auch wir uns damit auseinandersetzen müssen, obwohl wir doch sooo viel lieber kreativ sind“, schreibt mir eine Kollegin vom Lugert-Verlag auf Anfrage. So in etwa geht es mir auch.

Ich lebe hauptsächlich von dem, was ich als Livekünstler verdiene. Das verdiente Geld geht teilweise für die Produktionskosten drauf. Eigentlich hatte ich gehofft, mit fortschreitendem Alter würde der Anteil der Einnahmen wachsen, die nicht direkt mit meiner Person zusammenhängenden. Mit leichtem Stirnrunzeln stelle ich jedoch fest, dass eher das Gegenteil der Fall ist.

Geld verdienen mit Kinderliedern scheint anrüchig.

Dabei hat es immer noch etwas Anrüchiges, mit Kinderliedern Geld verdienen zu wollen.

„Künstler ist ein Beruf, Musiker ist ein Beruf: Muss man also als Kindermusiker ganz wenig Geld verdienen? Keiner von uns verdient richtig viel Geld damit“, sagt Lukas Nimschek von „Deine Freunde“. Und das ist immerhin eine der erfolgreichsten Kinderlieder-Bands.

Ich selber habe auch mein halbes Künstlerleben gebraucht, um selbstbewusst sagen zu können: Ich bin Kinderliedermacher. Das ist mein Beruf. Damit verdiene ich mein Geld.

Was können wir tun?

Ich weiß es natürlich nicht, aber ich hätte ein paar Anregungen:

  1. Mehr reden. Finden wir einen Weg, darüber zu sprechen. Um die Scheu zu überwinden, die uns allen innewohnt, bedarf es geeigneter Erhebungsmittel, ohne dass es zu sehr zu persönlichen Kränkungen kommt. Vergleiche können zeigen, wie die Entwicklung tatsächlich verläuft: Wieviele CDs werden verkauft, wie sieht es bei Downloads, wie bei Streams aus? Lohnt sich da eventuell die Einrichtung einer professionellen Datensammlung?
  2. Einen kompakteren Markt schaffen. Jedes Jahr gibt es unzählige Veröffentlichungen, die einzelne Künstler mehr oder weniger im Verborgenen stemmen. Geben wir diesen Veröffentlichungen einen Raum. Schaffen wir einen Katalog der Vielfalt.
  3. Ein richtiges Label gründen. Auch wenn die CD-Verkäufe zurückgehen, machen sie immer noch den bei weitem bedeutendsten Teil der Einnahmen aus. Streamings werden zwar immer wichtiger, generieren aber kaum Einnahmen. Deshalb wäre ein spezielles Kindermusik-Label gut, das sich um dieses Genre liebevoll kümmert. Ein Label, das versucht eigene Vermarktungswege zu finden und das sich einen Namen macht bei dem schließlich jeder weiß: Hier wird sich verantwortungsvoll und künstlerisch ehrenhaft um Kinder gekümmert.
  4. Über ein Kinderlieder-Streaming-Portal nachdenken. Nichts verdienen wie bei Spotify und anderswo können wir auch bei uns selbst. Und das Streaming wird wohl immer mehr Bedeutung gewinnen.

Beim diesjährigen kindermusik.de-Treffen in der bayerischen Musikakademie in Alteglofsheim werden wir hoffentlich über diese Dinge sprechen.

Eine Expertenrunde mit Eduardo Garcia („German Wahnsinn“),

Eduardo Garcia "German Wahnsinn"

Eduardo Garcia „German Wahnsinn“

Oliver Alexander („41065“) und Christoph Volkamer („Kimuk“)

kimuk - das Kindermusikkaufhaus online

kimuk – das Kindermusikkaufhaus online

wird unseren Horizont in dieser Hinsicht erweitern, sodass wir diese Fragen angehen können.  Ich bin gespannt…

Links

kinderlieder.de-Treffen

„German Wahnsinn“

„41065“

„Kimuk“

Postbank-Studie

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