Rotzgören im Rhythmus der Welt: Das 1. Kindermusikfestival in der Oberlausitz

– Ein Text von Matthias Meyer-Göllner –

30 Kinderliedermacherinnen und Kinderliedermacher werden auf dem 1. Kindermusikfestival in der Oberlausitz zu erleben sein.

30 Kinderliedermacherinnen und Kinderliedermacher werden auf dem 1. Kindermusikfestival in der Oberlausitz zu erleben sein.

Es war einmal vor 13,8 Milliarden Jahren: Mit einem machtvollen Knall kam das Universum zur Welt und nahm seitdem eine erstaunliche Entwicklung. So entstand kaum 9 Milliarden Jahre später ein kleines unscheinbares Sonnensystem mit einem Planeten in der habitablen Zone. Es vergingen weniger als 2 weitere Milliarden Jahre bevor dort kohlenstoffbasiertes Leben entstand, das schließlich vor ungefähr 2 Millionen Jahren eine hochentwickelte Spezies, die wir heute als Mensch kennen, hervorbrachte.

Zu den größten kulturellen Errungenschaften dieser Spezies zählte neben der Entwicklung von Beerdigungsritualen, der Keilschrift und dem wasserlosen Urinal auch die Entdeckung der Kindheit: Diese besondere Lebensphase wurde während der letzten 200 Jahre mit einem besonderen Schonraum umgeben, der wiederum eigene kulturelle Errungenschaften entstehen ließ: Kindertheater, Kinder- und Jugendliteratur und Kinderlieder.

Luther als erster Kinderliedermacher

Als erster Kinderliedermacher kann Luther angesehen werden, der allerdings damals noch nicht genügend Fürsprecher für die Aufnahme bei kindermusik.de finden konnte. Was vor allem auch daran lag, dass es damals weder Kindermusik noch irgendwelche .des gab.

Es vergingen wiederum nur 480 schlappe Jahre, bevor drei Kinderliedermacher sich entschlossen, die seitdem überfällige Gründung dieser Vereinigung nachzuholen. „Und einmal im Jahr sollt ihr euch treffen und dabei singen und tagen und buntes Treiben veranstalten und der Welt ein Wohlgefallen sein!“, schrieben sie dem Zusammenschluss ins Stammbuch. Und das tut er bis heute.

Von Weltmusik bis Gebärdensprache: Es gibt nichts, was es nicht gibt

In diesem Jahr gehören über 40 Kinderliedermacherinnen und Kinderliedermacher aus ganz Deutschland dazu und ein Großteil trifft sich im Februar im deutsch-polnischen Grenzgebiet in und um Bautzen. Inzwischen bilden Sie ein buntes Völkchen, über das sich vereinheitlichend eigentlich nur sagen lässt, dass es nichts gibt, was es nicht gibt.

Leichtfuß (Reinhard Simmgen) und Liederliesel (Beate Tarrach) haben die Organisation des Festivals übernommen.

Leichtfuß (Reinhard Simmgen) und Liederliesel (Beate Tarrach) haben die Organisation des Festivals übernommen.

„Karibuni“ zum Beispiel kommen aus Münster und machen Weltmusik für Kinder. Das bedeutet, dass sie Lieder aus unterschiedlichen Weltregionen sammeln und spielen. Josephine Kronfli hat äthiopische Wurzeln und das ist zu spüren, wenn sie singt und tanzt und Flöte spielt. Gemeinsam mit ihrem Partner Pit Budde wird sie den Rhythmus der Welt nach Mittelherwigsdorf (wie nach Bautzen) bringen.

Konzerte, Workshops und Singaktionen

Suli Puschban (Berlin, naja eigentlich Wien) und Astrid Hauke (Bielefeld) hingegen sind „Rotzgören“ – mit viel Aktion und durchaus politisch lassen die beiden Kinderliedermacherinnen die gute Laune in Hoyerswerda (und auch in Bautzen) wachsen. Und in Görlitz (ebenso in Bautzen) singen Kinderliedermacher in verschiedenen Sprachen, wobei den sorbischen oder polnischen Part die Kinder übernehmen, während Frank Bode (Herzberg), Unmada (Manfred Kindel) (Hannover) und Matthias Meyer-Göllner (Kiel) auf Deutsch singen – oder in Gebärdensprache.

Es gehören noch viel, viel mehr zum bunten Völkchen: Donnikkl (Andreas Donauer), Larissa Schorries, Johannes Kleist, Elke Kamper und Anders Orth (LiLaLindwurm), Beate Lambert, Geraldino (Gerd Grashausser), Rolf Grillo, Ferri (Georg Feils), Markus Rohde, Birte Reuver, Stephen Janaetzko, Beate Tarrach und Reinhard Simmgen (Leichtfuß und Liederliesel), Sandra Faryn (Faryna), Klaus Foitzik, Cattu (Carsten van den Berg), Mathias Lück, Toni Geiling, Kristian Rufert (Mit Krone und Hund), Robert Metcalf, Helmut Meier, Suppi Huhn, Andi Traub (Andi und die Affenbande) und die Hexe Knickebein (Catharina Caspar). Und sie werden zu erleben sein in 25 Veranstaltungen im Rahmen des Festivals bei Konzerten, Workshops und Singaktionen.

“Ich freue mich total, dass ihr alle kommt!”

Und nach Treffen in Hannover, Bielefeld, Berlin, Köln, Lauenburg, Rommerz, Würzburg, Ochsenhausen, Vorchdorf (AT), Stadtfeld, Hamburg, Schmitten und Frankfurt zieht es die Kindermusik nun nach Bautzen. Woran das liegt? Das liegt vor allem an Beate und Reinhard vom Sperlingshof – besser bekannt als „Leichtfuß und Liederliesel“ – die die Organisation für 2017 in die Hand genommen haben. Ihrer Einladung sind 30 Kolleginnen und Kollegen gefolgt, die sich vorgenommen haben, neue und alte Kinderlieder singend in die Oberlausitz zu tragen.

„Das macht mich glücklich, ich finde es toll und ich bin sprachlos!“, erklärt Beate Tarrach, „ich freue mich total, dass ihr alle kommt!“ Das Lausitzer Kindermusik-Duo hat zum ersten Mal Kindergruppen, Schulen und Chöre mit in die Festivalplanung integriert, sodass viele Veranstaltungen entstanden sind, die von Kindern und Künstlern gemeinsam gestaltet werden.

Überzeugungsarbeit bei Veranstaltern und Geldgebern

„Das wird für uns alle völlig neue Erfahrungen bringen“, sagt Beate mit vom vielen Telefonieren der letzten Wochen etwas rauer Stimme, „ich finde das sehr spannend!“ Sie musste viel Überzeugungsarbeit bei Veranstaltern und Geldgebern leisten und es dauerte lang, ehe die Festivalmaschinerie richtig ins Rollen kam. „Jetzt bin ich voller Anspannung, ob alles klappt und hoffe sehr, dass alle sich wohlfühlen werden.“ Wenn dann alles geklappt hat, freut sie sich schon darauf, sich wieder ihren eigenen Alltäglichkeiten widmen zu können.

Ob alles klappt, davon kann man sich in der Oberlausitz überzeugen. Vom 2. – 4. Februar in Löbau, Schmochtitz, Weißwasser, Hoyerswerda und Mittelherwigsdorf. Und natürlich Bautzen. Das Kinderlieder-Magazin wird berichten. Eine Veranstaltungsübersicht ist hier zu finden.

Link:

www.kindermusik.de/Festival

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1 Antwort

  1. 8. März 2017

    […] KinderliedermacherInnen Netzwerks kindermusik.de in der Oberlausitz (Kinderlieder – Das Magazin berichtete). Es sollte eben nicht nur ein Treffen zum Kennenlernen und zur Vertiefung von – davon kann man […]

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