Kinderlieder sind tierisch – Zoologische Zusammenhänge beim Kieler Festival (Kieler Kinderliederwoche – Tag 6)

– Ein Text von Matthias Meyer-Göllner –

Robert Metcalf aus Berlin und die Kinder der Christlichen Schule in Kiel begeistern mit "Herr Kraketelsen und der Pinguin"

Robert Metcalf aus Berlin und die Kinder der Goetheschule in Kiel begeistern mit „Herr Kraketelsen und der Pinguin“

Tiere sind ein wichtiges Thema in vielen Kinderliedern. Aber sind sie nicht auch ein Mittel, mit dem sich die Kinderliedermacherinnen und Kinderliedermacher vor wirklich schwierigen Themen drücken? Der fünfte Konzerttag auf der Krusenkoppel stand ganz im Zeichen der Tierlieder und wieder waren sie durch viele Kinderstimmen zu hören. Tierlieder verbinden unterschiedliche Menschen, wie es heute wieder zu erleben war.

„Kikieriki“, singt der Hahn Herr Kraketelsen durch Kindermund und das Pferd versucht, ihn nachzuahmen. Ganz akzentfrei bekommt es das nicht hin, deshalb klingt es bei ihm eher wie „Kükerükü“. Den Schafen und der Kuh geht es ähnlich und so entsteht ein buntes Durcheinander krähender Bauernhoftiere. Der „Spatzenchor“ steht auf der ABK-Bühne und singt Lieder, die in diesem Konzert häufig von Tieren handeln.

Ein Pinguin hat sich für einen Winter nach Berlin verirrt. Er verlebt dort eine tolle Zeit mit seinem neuen Freund Robert Metcalf, der ihm nach seiner (wegen der Wärme verständlichen) Abreise im Frühjahr ein Lied gewidmet hat. Dieses Lied erzählt diese Geschichte mit ziemlich viel Text, darum haben sich die Kinder die Solostimmen aufgeteilt. Das Mikro wird einfach weitergereicht, so ist jeder gut zu verstehen. Die Stimmen begeistern ihr Publikum und wenn ein Einsatz nicht ganz klappt, warten die Musiker mit dem Weiterspielen. Die Schülerinnen und Schüler der Goetheschule in Kiel haben gemeinsam mit Robert Metcalf und Matthias Meyer-Göllner ein Programm erarbeitet, in dem es in erster Linie um Tiere geht. Tatsächlich sind Tiere ein häufig gewähltes Kinderliedthema.

Tiere als kleinster gemeinsamer Nenner in der Kindermusik

„Tiere und Tiere und noch mal Tiere“, beklagte Thomas Sutter (Atze Musiktheater, Berlin) im Kinderlieder-Magazin, seien eigentlich zu wenig Inhalt für Kinderlieder. Diese müssten auch politische und soziale Themen aufgreifen, was sich nicht immer unbedingt ausschließen muss (mir fällt zum Beispiel „Der Hase Augustin“ von Fredrik Vahle ein). Tiere als Thema sind der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich viele, die mit dem Genre zu tun haben, schnell einigen können.

Auf der Kieler Krusenkoppel geht es tierisch zu

Auf der Kieler Krusenkoppel geht es tierisch zu

Auf dem aktuellen Kinderlieder-Sampler von kindermusik.de zum Beispiel sind über vierzig Songs verschiedener Kinderliedautoren zu finden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Rock- und Jazzsongs wechseln sich mit A-cappella-Stücken und klassischen Liedermachern ab. Es gibt Folk, Pop und Weltmusik. Geeint werden sie von der thematischen Klammer: Tiere.

Sir Peter Ustinov hatte bei seinen Auftritten als UNICEF-Botschafter oft mit Kindern zu tun, deren Sprache er nicht sprach. In diesen Fällen hat er versucht, sich über Tierlaute mit ihnen zu verständigen. Und das hat meistens funktioniert. Den Kindern auf der Bühne scheinen die Tierlieder zu gefallen. Sie singen „Hopp-hopp-hopp“ und dabei geht es natürlich um Kängurus.

Auch tierfrei ein Hit: Die Blindfische aus Oldenburg

Während Emilia mit diesem Song von Robert Metcalf die Herzen aller Erwachsenen erreicht, haben die Blindfische aus Oldenburg ihr komplett tierliederfreies Programm auf der Freilichtbühne beendet und wie immer ihre Kieler Fans begeistert. Sie sind seit Jahren Stammgäste auf der Krusenkoppel und viele Kinder kommen eigentlich nur, um die Blindfische zu sehen. Das hat sich auf die Band übertragen und sie bei hochsommerlichen Temperaturen große Spielfreude zeigen lassen.

Die Blindfische aus Oldenburg bei der Kieler Kinderliederwoche 2016

Die Blindfische aus Oldenburg bei der Kieler Kinderliederwoche 2016

„Erstaunlich gutes Wetter in Kiel!“, so hat Robert Metcalf das Publikum begrüßt, als er heute die ABK-Bühne betrat. Mancher erlebt eben immer wieder Überraschungen. Jetzt steht er gemeinsam mit Uli Ebeling, dem Dauerpianisten des Kinderliedermitmachfestivals, und Caro Schuldt auf der Bühne. Sie hat in den letzten Wochen intensiv mit den Kindern geübt und so die Grundlage für dieses Konzert geschaffen. Jetzt spielt sie die Bärin beim Waldkonzert gemeinsam mit den Müttern im Publikum. Weitere Mitwirkende: der Förster (Robert und die Kinder) und der Baum (Uli und die Väter). Vor allem das „Schüttel-schüttel-schüttel“ der Baumdarsteller sorgt immer wieder für Heiterkeit.

So vereint sich der Mensch mit Tier- und Pflanzenwelt in der Musik – und das hat bei allem Spaß auch etwas Tröstliches. Winkend, klatschend und Nase bohrend steuert das Programm mit Gospelklängen auf den unvermeidlichen Abschluss zu: „Auf der Bahnhofsbrücke wird den Eltern bang“, singt heute Lasse, bevor die ganze Wiese einsteigt in „1000 Segel auf der Kieler Förde“. Nachdem die ca. 350 Zuschauer gegangen sind, landen schnell die ersten Möwen auf dem grünen Hügel. Kein Wunder, denn zumindest die ersten können noch manch gutes Schnäppchen bei den Hinterlassenschaften des Publikums machen. Eine praktische Art „tierischer Müllabfuhr.“ Und das passt doch wieder irgendwie.

Link:

Bühnenprogramm der Kieler Kinderliederwoche 2016

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