2 mal 3 Fragen an … Cattu, der Traumfänger

CATTU, DER TRAUMFÄNGER (Carsten van den Berg): Der studierte Musiklehrer und ehemalige Musikredakteur eines Schulbuchverlags schreibt seit 2002 eigene Kinderlieder. Mit seinen „Traumfänger-Mitmach-Programmen“ begeistert der in Berlin lebende Rheinländer Kinder in ganz Deutschland. Dabei spielt der Auftrittsort für Cattu keine Rolle: im Theater, in Kitas, in Schulen, zu Hause oder auf Kinderfesten …

– Fragen von Elke Kamper –

Cattu, Foto: Fred Gasch

Cattu, Foto: Fred Gasch

Was macht ein Lied zum Kinderlied und wie einfach darf es sein?

Tja, da gehen die Meinungen ja auseinander…

Ich teile eher die klassische Auffassung der Definition für das Kinderlied. Die Melodie sollte für Kinder nachsingbar sein, daher rhythmisch nicht zu schwer und auch nicht mit riesigen Intervallsprüngen. Der Text sollte für Kinder verständlich und nachvollziehbar sein. Diese Definition sollte man aber auch nicht zu eng sehen. Ich habe z.B. ein Lied über den Mond geschrieben, das gerade dadurch wirkt, dass immer wieder ein sehr großer Tonsprung mit drin ist, damit wollte ich die Höhe des Mondes andeuten. Nachsingen können das wahrscheinlich eher erst 6-8-jährige Kinder. Aber dieses Lied ist auch eher ein Hör-Lied zum Träumen. Man sieht bereits an diesem Beispiel, wie kompliziert diese Diskussion ist. Dem möchte ich gerne noch hinzufügen, dass die alten Klassiker, wie z.B. „Mein Hut, der hat drei Ecken“, uns aber vor allem wegen ihrer genialen textlichen und melodischen Schlichtheit so gut im Gedächtnis bleiben und geblieben sind.

 

Welches Kinderlied gefällt dir besonders gut und warum?

Da kann ich nicht nur ein Lied nennen, es gibt einfach zu viele schöne Songs, daher hier meine TOP 10:

 

1. Im Dornbusch hinterm Hügel – Margarete & Wolfgang Jehn

2. Adventskalender – Robert Metcalf

3. Stinkefüße – Pelemele

4. Drei kleine Quallen – Gerhard Schöne

5. Ponykind – Thomas Kornfeld & Frank Miri

6. Eine kleine Schlange – Wolfgang Hering

7. Der Meckertroll – Beate Lambert

8. Ameisen-Lied – Eberhard Metsch

9. Das Märchen von den fünf Sängern – Matthias Meyer Göllner

10. Küsschenlied – Reinhard Lakomy

 

Warum bist du ein guter Kinderlied-Erfinder?

Mmh, ich denke, dass mir beim Schreiben neuer Lieder mehrere Dinge zugutekommen: a) Ich habe eine wunderbare Tochter, die mich schon sehr häufig inhaltlich inspiriert hat. b) Ich arbeite und musiziere als Musikpädagoge in Kindergärten gewissermaßen direkt mit der Zielgruppe, kann mir daher ganz gut vorstellen, welche Themen gut funktionieren und wie man sie präsentieren muss, damit sie bei Kindern gut ankommen. Ich probiere vor allem fast alle Lieder erst in der Praxis aus, bevor ich sie später im Studio aufnehme. c) Ich bin selber ein Kindskopf geblieben und da bin ich sehr froh drüber. Deswegen kann ich mich, denke ich, ganz gut in Kinder hineinversetzen. Mir fällt dazu ein sehr schönes Zitat ein, das ich in meinem Büro hängen habe: „Ein großer Mensch ist ein Mensch, der sein Kinderherz nicht verloren hat“. Damit möchte ich mich hier nicht selbst als groß „beweihräuchern“, sondern betonen, wie erhaltenswert, auch für uns Erwachsene, so kindliche Eigenschaften wie Neugierde und Begeisterung sind!

 

Gibt es eine bestimmte Perspektive aus der du am liebsten und die meisten Kinderlieder schreibst (Ich-Form, als Tiere, beschreibende Geschichte, emotionaler Ausdruck)?

Das spielt für mich keine Rolle, daher sind auch die meisten Lieder von mir recht unterschiedlich, denke ich zumindest …

 

Carsten, du bist ja nun schon seit über zehn Jahren als Kinderliedermacher unterwegs. Wie wichtig sind die vielen Liveauftritte, die du machst, für dich?

Die Liveauftritte sind sehr wichtig für mich. Hier habe ich Kontakt zum Publikum, hier stelle ich mich immer wieder aufs Neue auf die Probe, hier bekomme ich live ein Feedback, wie nah ich an meiner Zielgruppe, den Kindern, und natürlich auch an deren Eltern, „dran“ bin!

Und natürlich das Lampenfieber, die Aufregung vor jedem Konzert. Ich fühle mich da lebendig, ich glaube, ich könnte gar nicht mehr ohne diese Auftritte leben. Es gab mal eine andere Zeit, als ich noch Redakteur im Schulbuchverlag war: Damals war ich so hungrig nach Liveauftritten, dass ich es kaum ausgehalten habe, andere Bands live spielen zu sehen. Mir waren damals, noch eingebunden in einen 40-60-Stunden-Job, zeitlich total die Hände gebunden … Jetzt ist das zum Glück anders 🙂

Ein gut gelungener Auftritt mit einem tollen Publikum kann sehr glücklich machen …

Außerdem mag ich Liveauftritte, weil ich sehr gerne in Deutschland herumreise, um an verschiedenen Orten zu spielen. Und zu guter Letzt: Toll sind Liveauftritte zusammen mit Kollegen aus der Szene. Das ist für mich immer etwas Außergewöhnliches, da ich sonst meistens alleine spiele.

 

Mit „Cattu, der Traumfänger“ hast du ja eine Figur geschaffen, die deutlich ruhigere Töne anschlägt und für kleine Kinder im Elementarbereich sehr passend ist. Hättest du manchmal Lust auf sehr rockige und punkige Lieder, die ganz anders sind als das, was du bisher gemacht hast?

Es stimmt, ich habe einige eher ruhige Lieder geschrieben! Die sind aber vor allem für die CDs zum Hören gedacht, denn ich finde, dass Kinder sich mit Musik auch mal entspannen können dürfen, nicht nur permanent „Vollgas“. So ein Kinderleben ist heutzutage ja ohnehin schon oft sehr hektisch; dem möchte ich mit meinen ruhigeren Liedern entgegenwirken, einfach mal innehalten, das letzte Lied meiner neuen CD heißt deswegen z.B. „Geh’s ruhig an!“… Auf meinen Konzerten singe ich übrigens meine ruhigen Songs quasi nie, da ich ja, wie viele Kollegen, ein Mitmach- und kein Zuhörprogramm anbiete, da muss schon ’n bisschen was passieren auf der Bühne 🙂

Ab und zu mal „Vollgas“ finde ich aber auch super und deshalb sind auf meiner neusten Scheibe auch zwei sehr flotte Nummern im Rock-’n‘-Roll-Stil mit dabei …

Punk, hmm, finde ich cool, muss ich dann aber kein Kinderlied mit machen, das überlasse ich dann lieber den Jungs von Randale 🙂

Link:
www.cattu.de

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