2 mal 3 Fragen an … Sebastian Dold (KrAWAllo) 

KrAWAllo sind: Musiker? Spaßmacher? Väter junger Kinder? Einer davon ist jedenfalls SEBASTIAN DOLD aus Ostwestfalen, der live (und im Studio so live wie möglich) mit tollen Kollegen FamilienRocknRoll macht und gemeinsam mit „seinem Apotheker“ Jens Kosmiky Stücke für eben diese Familien schreibt. KrAWAllo entstand blauäugig aus dem Trugschluss, dass „ein bisschen Mucke für die Kinder erfahrene Live-Musiker doch kein Problem sein kann“. Seither spornt das ehrlichste Publikum der Welt die Band stetig an.

KrAWAllo war zu Beginn eher eine Top40-Band für Kindermusik-Gassenhauer, bis sich Dold und Kosmiky nach der ersten erfolgreichen Komposition „Wähl die 112“ an sagenhafte Musicals (Widukind) oder ausgefallene Konzeptalben (Gerbereimuseum) trauten. Die Band veröffentlichte im Juli 2016 bei ZXY Music (zwischen unterschiedlichen Künstlern wie Whigfield oder Motörhead) mit „Rock’o’Näse“ das neueste Album, mit dem Dold (hauptberuflich und noch immer gerne Realschullehrer) gemeinsam mit Jens-Henning Gläsker, Sven Kreinberg und einer Menge Rock-, Pop-, Reggae- und Jazz-Songs in KiTas, Grundschulen, auf Spielplätze oder Stadtfesten touren.

– Fragen von Elke Kamper –

KrAWAllo Liveband: Sven Kreinberg, Sebastian Dold und Jens-Henning Gläsker (v.l.n.r.)

KrAWAllo Liveband: Sven Kreinberg, Sebastian Dold und Jens-Henning Gläsker (v.l.n.r.)

Was macht aus deiner Sicht ein Lied zum Kinderlied?

Jedes Lied, das von einem Kind gesungen, gesummt, getanzt oder wie auch immer sonst auf- und mitgenommen wird. Ein Kind hat es sich zu eigen gemacht und damit ist es ein Kinderlied.

Das finde ich ja gerade spannend, dass alles zum Kinderlied werden kann und wir, die wir Kinderlieder machen wollen, musikalisch keine Grenzen haben, außer der einen: Ich muss die Kinder erreichen.

Welches Kinderlied gefällt dir besonders gut und warum?

Als ich Suli Puschbans „Schnauze voll von Rosa“ erstmalig live erlebt habe, war ich schon ziemlich platt: musikalisch finde ich vor allem den Stilbruch mittendrin richtig gut und dann der Text, der dieses überholte Klischee ganz knackig platt macht!

Warum bist du ein guter Kinderlied-Erfinder?

Ich weiß gar nicht, ob ich das bin und habe mir bisher die Frage auch noch nie gestellt. Ich bin grundsätzlich erstmal jemand, der total gerne live auftritt und das Miteinander mit dem Publikum genießt. Wir versuchen, unsere Gegenüber, also das Publikum, ernst und uns selber eben nicht so ernst zu nehmen.

„Für jede Idee haben wir eine ‚sofortige Qualitätskontrolle’“

Wenn es gut läuft, schreibt man dann einen Text oder eine Melodie, der/die die Kinder erreicht. Und an den richtig guten Tagen bringt man Text und Melodie in einem Stück zusammen – diese Songs werden dann veröffentlicht. Mein großes Glück ist, dass ich die KrAWAllo- Songs ja gemeinsam mit meinem langjährigen Mitmusiker Jens Kosmiky schreibe und wir dadurch für jede Idee eine „sofortige Qualitätskontrolle“ haben.

Du bist mit deiner Kinderrockband KrAWAllo ja im „Auftrag des Kinderliedes“ unterwegs. Geht es dabei wirklich nur um die Spaß-Komponente oder ketzerisch gefragt: Dann kannst Du ja auch Musik für Erwachsene machen, was reizt dich an Rockmusik für Kinder?

Zum Glück darf man als Rockband ja mittlerweile alles spielen, sodass wir durch alle Genres durchrasen, nicht nur die drei legendären Akkorde spielen dürfen. Und Musik für Erwachsene mache ich ja auch. Bei Musik für Kinder gefällt mir aber die Ehrlichkeit des Publikums und die Unmittelbarkeit der Reaktionen: Wenn wir junge Zuhörer erreichen, bekommen wir das sofort und deutlich zurück.

„Rockmusik lässt Generationen von Menschen in Bewegung kommen“

Ich erinnere mich immer noch daran, dass wir bei unserem ersten Auftritt zwischendurch mal irgendwie nicht voll bei der Sache waren, froh, dass es alles gut lief und schwupps – weg waren sie! Die mussten wir dann erstmal wieder komplett neu überzeugen. Das ist uns zum Glück nie wieder passiert, spornt uns aber auch enorm an: Wenn wir gut sind, bekommen wir sofort den „Lohn“ dafür!

Und Rockmusik lässt Generationen von Menschen in Bewegung kommen – egal wie alt sie letztendlich schon geworden sind. Schließlich kommen die Kinder zu unseren Konzerten ja auch nicht alleine, sondern durch/mit ihren Eltern, Erzieherinnen oder Lehrern, die wir ja ebenfalls erreichen wollen. Ich glaube, wir benutzen fortan nur noch den Begriff FamilienRocknRoll!

Gibt es ein Musik-Projekt, das du gerne im Kinderliederbereich gerne mal verwirklichen würdest?

Da schwirren noch so viele Ideen durch meinen Kopf … und das werden immer mehr, sodass ich echt schauen muss, dass ich mich da nicht verzettele. Ich habe mir allerdings vor einigen Jahren vorgenommen, all das, was ich wirklich machen will und von dem ich überzeugt bin, wahr werden zu lassen. Ganz aktuell schreiben wir Texte für ein spannendes Museum, gelegen in einer mindestens genauso spannenden Gegend mit bewegter Geschichte. Da müssen wir ziemlich aufpassen, die Stücke nicht zu überfrachten.

„Wenn wir richtig mutig werden, versuchen wir Landratten uns an einem Meer-Album“

Ganz etwas anderes läuft parallel dazu, wenn wir versuchen, anlässlich des Luther-Jahres noch einen KrAWAllo- Song zu produzieren, der dann aber auch nach uns klingt. Dann braucht unser musikalisches Hörspiel noch eine Fortsetzung, unser Musical müssten wir selber einmal inszenieren. Und wenn wir irgendwann einmal richtig mutig werden, versuchen wir Landratten uns an einem Meer- Album.

Kitsch oder politische Aussage, ruhige Songs, pädagogischer Überbau – kannst du dir davon etwas in deiner Kindermusik vorstellen oder gibt es das so auch schon?

Ich finde, dass man weder heute, noch zu einer anderen Zeit „nicht-politisch“ sein kann. Schon die Tatsache, dass wir bewusst Musik für Kinder machen, drückt ja etwas aus. Tatsächlich ist mir aber erst durch diese Frage bewusst geworden, dass auf der „Rock’o’Näse“ – offensichtlich (?) aber ungeplant (!) – alle Songs eine eher positive Ausrichtung haben. Ich finde das aber auch gar nicht schlimm, denn aktuell haben wir als Musiker einfach eine richtig gute Zeit und wie sollen wir uns da verstellen?

„Da kamen wir um Sozialkritik gar nicht herum“

Zu Beginn von KrAWAllo, bei unserem Widukind- Musical (zu dem sagenhaften Namensgeber unseres Heimatkreises), haben wir allerdings z.B. schon einmal sehr deutlich die Ohnmacht der kindlichen Hauptfigur musikalisch auszudrücken versucht.

„Rosas Lied“ ist für mich noch immer ein sehr trauriges Stück und beginnt mit der Zeile: „Ich habe nur ein Lied und gar nichts andres mehr“. Und dann auf dem Konzeptalbum für das Engeraner Gerbereimuseum kamen wir um Sozialkritik gar nicht herum, wenn wir beispielsweise in „Wie der Vater so der Sohn“ historische Arbeitsbedingungen thematisiert haben.

Link:

www.der-zeremonien-meister.net (Sebastian Dold)

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