Ich bin 1 – das ist meins! – Robert Metcalf

– Eine CD-Besprechung von Matthias Meyer-Göllner –

Ich bin 1 - alles meins!

Ich bin 1 – das ist meins!

Wer schafft es, ein Lied zu schreiben, das mit einem Wortschatz von sieben Wörtern auskommt, damit Kinder anzusprechen und gleichzeitig keinem Erwachsenen auf die Nerven zu gehen? Wer kann einem reduzierten Themenraum und seinen klassischen Vorgaben (Begrüßung, Kniereiter, Fingerspiel u.ä.) neue musikalische Aspekte abgewinnen, ohne damit zu klingen, als würde er ausgetretene Pfade weiter breit treten?

Wer erreicht die ideale Vereinigung von Schönheit, Originalität und Schlichtheit?

Viele haben sich in den letzten Jahren daran versucht, denn mit zunehmender Bedeutung der öffentlichen Erziehung von Menschen im Alter von unter drei Jahren hat sich auch der kulturelle Bereich in dieser Richtung geöffnet. So sind auch viele Kinderliederproduktionen entstanden, die sich daran versucht haben – auch der Autor dieser Zeilen hat es gewagt. Und dabei die Klippen und Untiefen kennen gelernt, die dieses neue Fahrwasser kennzeichnen. Als Kinderliedermacher möchte man einerseits der Zielgruppe gerecht werden und dadurch auferlegte Beschränkungen in Inhalt und Sprache berücksichtigen, andererseits aber seinem eigenen kulturellen Anspruch genügen und Beliebigkeit vermeiden. Dem Genre seinen eigenen Stempel aufdrücken – dahin gehen die Bestrebungen, nur um am Ende festzustellen, das viele andere auf ähnliche Ideen gekommen sind.

Auch Robert Metcalf wird sich diese Gedanken gemacht haben, bevor und während er sich an sein „Opus Magnum“ des frühkindlichen Kinderliedes gemacht hat. Schließlich sollten am Ende drei CDs mit neuen Liedern stehen – fein säuberlich den ersten drei Lebensjahren zugeordnet und deutlich mit der entsprechenden Zahl gekennzeichnet. Um es vorweg zu nehmen: Es ist ihm gelungen.

Die Liedersammlung „Ich bin 1 – das ist meins“ schließt den Kleinkinderlieder-Dreisprung („Ich bin 2 und schon dabei“; „Ich bin 3, kann allerlei“) ab und treibt die Reduzierung noch ein Stück weiter als zuvor. Ich muss zugeben: Meine Skepsis war groß, ob da noch genug Substanz vorhanden sein könnte, um musikalisch interessant zu bleiben.

Das ist wirklich erstaunlich an dieser Produktion: Robert Metcalf fesselt große und kleine Zuhörer mit einfachen Texten, die trotzdem die Handschrift des Künstlers tragen und auch einem Lied, das überwiegend aus einem Wort („Hallo“) besteht, noch einen originellen Dreh geben.

Noch spannender ist die Musik: Sehr zurückhaltende Arrangements lassen trotzdem immer wieder aufhorchen: Irgendetwas ist besonders am Lied von der kitzelnden Feder – und lässt einen nochmal nachhören und eventuell nochmal… Und woher kommt dieses Motorengeräusch beim Auto („Mein Auto“)? Ist das eine Trompete? Oder einfach nur ein Mund? Und die kleinen, feinen Finger kann ich musikalisch gemalt vor Augen sehen, und wenn ich im Takt mitzähle, wie viele Finger sind es…?

Ein letztes Riff der Geschmacksgefährdung gilt es schließlich noch zu umschiffen: Kleine, gesprochene Fingerspiele und Reime bilden die Übergänge zwischen den durchweg gelungenen kleinen Liedern. Das birgt im Normalfall hohes Nervpotenzial, spätestens ab dem dritten Hördurchgang. Aber auch hier ist keine Ermüdung beim Zuhören festzustellen. Das liegt zum einen an der liebevollen Gestaltung (mit Kinder- und Erwachsenenstimmen im Wechsel), zum anderen an der Dauer: Ehe sie anfangen können, auf den Geist zu gehen, sind sie auch schon wieder vorbei und fügen sich so in das gelungene Gesamtbild der CD ein.

Was mich jetzt stark interessieren würde, wäre der Praxistest, insbesondere was die ausgewiesene Alterszielgruppe angeht. Zu der fehlt mir im Augenblick der direkte Zugang. Noch ein Grund mehr, sich auf die hundert Enkel zu freuen, die Kricket auf dem Rasen spielen: Ich kann es eigentlich kaum erwarten.

Link:
www.robert-metcalf.de

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1 Antwort

  1. 22. Februar 2017

    […] Matthias: Sehr gelungene CD – wurde auch hier im Kinderliedermagazin schon besprochen. (Hier geht’s zur Rezension) […]

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