Es sieht immer so einfach aus! Warum die C-Gitarre für Einsteiger sinnvoll ist

– Ein Text von Daniel Sommer –

Kinder (hier bei einem Musikprojekt mehrerer Kitas in Düsseldorf) musizieren ab 4 Jahren auf der C-Gitarre (Foto von Uwe Reinert)

Kinder (hier bei einem Musikprojekt mehrerer Kitas in Düsseldorf) musizieren ab 4 Jahren auf der C-Gitarre (Foto von Uwe Reinert)

Gitarre spielen ist nicht so leicht, wie es immer aussieht! Anfänger haben oft Schwierigkeiten mit dem Erlernen von einfachen Grundakkorden. Wer es nicht schafft, täglich zu üben, wird selbst nach vielen Monaten keinen Erfolg haben und die Gitarre frustriert wieder in die Ecke stellen. Hier erfährst Du, warum es sinnvoll sein kann, sich zunächst mit der offenen C-Stimmung auf der Gitarre zu beschäftigen!

Es sieht immer so einfach aus! Jemand singt ein Lied und begleitet sich dabei entspannt auf der Gitarre – mit nur wenigen Griffen und einem Rhythmus, der auch so schwer nicht sein kann. Wer es aber einmal probiert hat, weiß es selbst – Gitarre zu spielen, auch wenn es „nur“ Akkorde sind, ist alles andere als leicht. Ein Instrument zu spielen und dabei zu singen ist ein sehr komplexer Vorgang. Die linke Hand muss greifen, die rechte Hand einen Rhythmus schlagen, singen möchte man auch noch – und wer das in Kita oder Schule tut, muss auch noch den Kopf oben haben, um nach den Kindern zu schauen.

Daniel Sommer (Dipl. Sozialpädagoge und Musikschulleiter gitarrissimo)

Daniel Sommer (Dipl. Sozialpädagoge und Musikschulleiter gitarrissimo)

Seit mittlerweile über 15 Jahren unterrichte ich täglich Erzieher/-innen und Lehrer/-innen in Kita und Schule. Wenn ich Schüler nach einigen Jahren mal wiedersehe und frage „Hey, was macht die Gitarre?“ kommt leider viel zu oft die Antwort, dass im hektischen Berufs- und Familienalltag keine Zeit mehr geblieben ist, um zu üben. Dadurch ließ die Motivation auch schnell nach. Sie hatten sich das Gitarre spielen viel einfacher vorgestellt. Es sieht ja immer so leicht aus!

Der leichte Einstieg durch einen alten Trick –  die offene C-Dur Stimmung

Auf Fortbildungen in Kitas und Schulen zum Thema „Alltagsintegrierte Sprachförderung durch Musik“ habe ich angefangen, mit offenen Stimmungen (sog. „open tunings“) zu experimentieren. Im Zusammenspiel mit Orffschen Instrumenten war es auf Anhieb möglich, einen schnellen und beachtlichen „Klangerfolg“ zu erzielen, da die Gitarre – wenn sie z.B. auf C-Dur gestimmt ist – natürlich fehlerfrei harmonisch klingt.

Eine C-Gitarre ist eine auf C-Dur umgestimmte Gitarre!

Die C-Dur Stimmung ist, wie viele andere offene Stimmungen auch, schon sehr alt. Sie wird auch von professionellen Musikern zum Experimentieren genutzt. Mit der umgestimmten Gitarre können sich Anfänger tatsächlich erst einmal auf die rechte Hand konzentrieren und Lieder (z.B. „Bruder Jakob“) mit nur einem Akkord rhythmisch begleiten, und dabei sicher sein, dass der Akkord in jedem Fall klingt.

Barré-Akkorde sind auf der Gitarre besonders schwer zu greifen. Aber auch der Wechsel der anderen Griffe fällt Anfängern oft schwer.

Barré-Akkorde sind auf der Gitarre besonders schwer zu greifen. Aber auch der Wechsel der anderen Griffe fällt Anfängern oft schwer.

Sobald der zweite Akkord hinzukommt (der sog. Dominantakkord), lässt sich dieser mit einem Barrégriff (Quergriff) nur mit dem Zeigefinger im 7. Bund greifen. Ein Barréakkord hört sich erst einmal schwierig an, ist aber in diesem Fall relativ leicht zu greifen, da wir ja lediglich den Zeigefinger benutzen, und die anderen Finger (noch) nichts zu tun haben. Der Wechsel zwischen den beiden Akkorden C-Dur und G-Dur ist also nichts anderes als die Gitarre im C-Dur „leer“ anzuschlagen und beim Wechsel in den Akkord G-Dur im 7. Bund mit dem Zeigefinger zu greifen.

Lieder mit nur zwei Akkorden gibt es eine ganze Menge, und diese lassen sich hierdurch ohne rhythmische Verzögerung mit einer Gruppe von Anfängern problemlos spielen. Fast alle Kinderlieder, Weihnachtslieder und Volkslieder lassen sich mit drei verschiedenen Akkorden greifen. Neben C-Dur und G-Dur wird dann noch die sogenannte Subdominante benötigt. Das wäre dann der Akkord F-Dur, den man in der offenen C-Stimmung genauso greift wie den G-Dur-Akkord, nur jetzt im 5. Bund statt im 7. Bund.

Aram sam sam - Lied mit zwei Akkorden

Aram sam sam – Lied mit zwei Akkorden

Auf Tagesseminaren und Fortbildungen, vor allem im pädagogischen Bereich, aber auch in Volkshochschulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen habe ich mit über 1000 Gitarreneinsteigern gearbeitet. Das Resultat ist erstaunlich, denn bereits nach ein paar Stunden sind tatsächlich alle Teilnehmer in der Lage, fast jedes beliebige Lied auf der Gitarre begleiten zu können.

Natürlich muss der Quergriff einige Zeit geübt werden, ebenso die rechte Hand mit ihren verschiedenen Rhythmen und Anschlagsmustern. Mit der C-Gitarre ist es aber möglich, sich auf den so wichtigen Rhythmus zu konzentrieren und ein Gefühl für die so wichtige rechte Hand zu bekommen, ohne erst monatelang Akkordwechsel zu üben.

Kinder in Kita und Schule musizieren auf der C-Gitarre

Die C-Gitarre ist nicht nur eine tolle Möglichkeit für Erwachsene, schnell und auf Anhieb Kinderlieder und Songs zu begleiten – auch Kinder in Kita und Schule musizieren gemeinsam auf der C-Gitarre. Hierbei geht es nicht darum, dass Kinder lernen sollen, den für sie zu schwierigen Quergriff zu greifen. Kinder spielen mit Kapodastern (eine Klemme, durch die die Saiten heruntergedrückt werden) im Wechsel. Bei einem Lied mit zwei Akkorden würde eine Gruppe ein C-Dur spielen und die andere Gruppe ein G-Dur, und zwar immer dann, wenn sie an der Reihe ist.

Bruder Jakob lässt sich mit nur einem Akkord spielen

Bruder Jakob lässt sich mit nur einem Akkord spielen

Kinder lernen so, aufeinander zu hören, und eben genau dann zu spielen, wenn sie dran sind. Sie lernen die Gitarre nur bei bestimmten Worten und Silben zu spielen, an ganz bestimmten Stellen im Lied. Hierdurch entsteht eine tolle Form der Kommunikation – ein regelrechtes Hin und Her – eine Art Frage-Antwort Dialog mit dem Ergebnis des gemeinsamen Liedes und dem tollen Erlebnis, gemeinsam Musik zu machen. Instrumente wie CajonsBoomwhackers und Orffsche Instrumente können ganz einfach integriert werden.

Kinderleichter Umstieg auf die „normalen“ Akkorde

Wer durch die C-Gitarre Spaß am Instrument und der Liedbegleitung gefunden hat, wird früher oder später vielleicht doch gerne einmal die normalen Griffe für die linke Hand lernen wollen. Die C-Gitarre ist natürlich ab einem gewissen Punkt limitiert, da es beispielsweise schwierig wird, einen Moll-Akkord zu greifen. Auch hier gibt es zwar Tricks und Kniffe, wie man auch Lieder in Moll spielen kann (beispielsweise die C-Moll Stimmung, oder auch leichte Abwandlungen des Quergriffs) – aber wer anspruchsvollere Popsongs spielen möchte oder sich gar für die Jazz-, Flamenco- oder Klassische Gitarre interessiert, kommt nicht daran vorbei, die Gitarre wieder umzustimmen.

Ich habe es mit vielen Schülern ausprobiert. Nach ca. 3-5 Monaten ist das Spielen in der C-Stimmung so kinderleicht, dass fast alle meiner Schüler von sich aus die Stimmung gewechselt haben, weil sie zunehmend neugieriger und mutiger wurden. Das tolle Ergebnis ist, dass das Lernen der normalen Griffe viel leichter fällt, wenn man zunächst eine Zeit lang in der offenen Stimmung gespielt hat.

Noch mehr Kinderlieder, die man mit zwei Akkorden spielen kann

Noch mehr Kinderlieder, die man mit zwei Akkorden spielen kann

Es hat bei vielen meiner Schüler nur wenige Wochen gedauert, und sie konnten die 10-12 Basisakkorde für die linke Hand problemlos greifen und wechseln. Das liegt daran, dass die Greifhand durch das Spielen auf der C-Gitarre bereits gestärkt und trainiert ist und die rechte Hand schon relativ sicher unterschiedlichste Rhythmen spielen kann. Man kann sich also voll und ganz auf die Akkorde konzentrieren – die rechte Hand verändert sich nicht mehr!

Link:

www.gitarre-leicht-lernen.de

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2 Antworten

  1. Was ich jetzt nicht so ganz raus lesen konnte – warum C? Warum nicht allgemein werben für offene Akkorde? Gerade das offene E empfinde ich dann sogar für spätere Themen interessanter. Trotzdem schöner Artikel.

  2. Matthias sagt:

    Wie sieht denn die offene E-Stimmung aus?

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