2 mal 3 Fragen an … Matthias Meyer-Göllner

Als Künstler für Kinder stammt Matthias Meyer-Göllner aus der Zeit, in der man Kinderlieder noch auf Kassetten aufnehmen musste. Nur um die Relation klar hinzukriegen: Damals war er selbst noch ein Kind! Matthias hatte sich schon als Taxifahrer versucht, wollte ein Notenantiquariat eröffnen, eine Musikschule kaufen, wäre fast ein Rockstar geworden (zumindest durfte er in der Vor-vor-vor-Band einer echten Rockband spielen), war politisch tätig, studierte Germanistik um zu bemerken, dass Journalist zu sein, nicht seine Welt war. Und schließlich landete er auf der pädagogischen Hochschule, um dort nach 8-jährigem Studium die beste Entscheidung seines Lebens zu treffen – und damit einen Erfolgskurs als Kinderliedermacher einzuschlagen. Manche Wege sind eben verschlungen, führen aber genau dorthin, wo das Herz vor Freude hüpft und man weiß: Hier bin ich angekommen, das ist genau mein Ding!

Heute ist seine Musik aus den Bildungseinrichtungen nicht mehr wegzudenken und seine Freude an der Begegnung mit Kindern ist ungebrochen. Über seine Sicht auf das Genre Kindermusik, übers Singen und sein neuestes Projekt erzählt er hier im Interview.

– Fragen von Mai Cocopelli –

Der Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner

Der Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner

Was macht aus deiner Sicht ein Lied zum Kinderlied?

Ich habe einen langen, gewundenen Weg hinter mir, den es brauchte, bevor ich wusste, dass ich Kinderliedermacher bin. Heute trage ich das auch als Berufsbezeichnung beim Einchecken im Hotel ein. Ein Kollege meinte, er würde lieber „Songwriter“ eintragen. „Kinderlied“, das würde so altbacken klingen.

„Ich bin frei, die Grenzen dieses schönsten aller Genres auszuloten“

Ich bin dafür, das, was wir tun, offensiv zu vertreten. Deshalb sage ich, ich bin Kinderliedermacher. Und wenn ich ein Lied mache, dann ist es ein Kinderlied – das mag vermessen klingen, aber es hat sich bewährt. So bin ich frei, die Grenzen dieses schönsten aller Genres auszuloten – und gegebenenfalls zu überschreiten.

Welches Kinderlied gefällt dir besonders gut und warum?

„Das Ritterlied“ von Geraldino ist eines der schönsten Kinderlieder, die ich kenne. Es ist schlicht aber nicht banal, erzählt eine Geschichte – was ich an Liedern sehr mag – und trifft vor allem eine Humorebene, die Kinder und Erwachsene gemeinsam zum Lachen bringt. Und musikalisch gefällt mir das Volkstümliche, das aber nicht volkstümelt, sondern vom Spaß an der Musik kündet. Wenn darin die gestimmten Glocken spielen, lacht mein Musikherz.

Warum bist du ein guter Kinderlied-Erfinder?

Weil ich Spaß habe am Lieder erfinden. Es gibt für mich im Leben keine höhere Befriedigung, als ein gerade frisch entstandenes Lied zu spielen. Und am liebsten noch jemand anderem vor. Weil ich begeistert (und narzisstisch) bin, wie ein Kind, über das, was da aus mir rausgekommen ist.

Kinderlieder erfinden: „Manchmal ein quälender Prozess – aber der beste Beruf von allen“

Natürlich ist das auch manchmal ein quälender Prozess und der ist dann auch lange noch nicht zu Ende. Manchmal gehen die Songs ebenso verschlungene Wege wie ich selbst, bevor sie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Aber ich bin wirklich sehr glücklich damit, dass ich genau das tun kann. Kinderlieder erfinden ist eben der beste Beruf von allen.

In deinem neuesten Kindermusikprojekt „Die Maulwürfe“ trittst du mit weiteren Kinderliedermachern a cappella, also vollkommen ohne Instrument auf.  Was hat euch dazu motiviert?

Nur die Stimme – das ist so schön direkt, das geht so ohne Zutaten, das funktioniert überall, wo man gerade ist. Und wir kommen dabei den Grundlagen der Musik auf die Spur. Harmonisch, melodisch, rhythmisch – selten habe ich mich über so viele Feinheiten immer wieder mit Kollegen auseinandergesetzt.

„Dieser ‚Supergroup of Kindermusik‘-Gedanke fasziniert mich“

Außerdem fasziniert mich dieser „Supergroup of Kindermusik“-Gedanke. Fünf Kinderliedermacher aus fünf Kontinenten (ich übertreibe) mit fünf eng gestrickten Terminkalendern – können die überhaupt so ein Projekt zum Laufen bringen? Sie können, aber es braucht einen langen Atem und sehr gute Planung. Und es macht sehr viel Spaß.

Dass dir das Singen ein Anliegen ist, kann man auch auf CDs wie „Keiner singt so schön wie du“ feststellen.  Wie erlebst du das Publikum im digitalen Zeitalter? Hat der Zeitenwandel auch die Freude am Singen beeinflusst?

Die Freude wird größer, weil die Gelegenheiten seltener werden. Auch im Konzert erlebt das Publikum zunächst das Bühnengeschehen und ist dann überrascht und berührt, wenn es sich selber (beim Singen) spüren kann. Das sind Highlight-Momente, die ihre Leuchtturmstellung eben auch daraus ziehen, dass sie so selten sind.

„Singen ist für mich eine Grundfunktion wie Atmen und Essen“

Singen ist für mich tatsächlich eine Lebensäußerung. Für mein näheres Umfeld (Familie) geht es da manchmal bis an die Schmerzgrenze, wenn wirklich aus jedem allerkleinsten Nichts ein Lied wird. Oder wenn schon wieder dieser Ohrwurm vom Regenbogen aus Österreich Tischbegleiter ist. Singen ist für mich eine Grundfunktion wie Atmen und Essen. Und (Achtung Pathosalarm!) ich möchte dazu beitragen, dass Kinder (und Erwachsene) diese Grundfunktion für sich entdecken und aktivieren.

Es geht nicht darum, ein Volk von Superstars auszubilden, sondern jedem diesen Schatz zu zeigen, den er in sich trägt. Das geht im Konzert, das funktioniert noch besser im Workshop, am Musiktag, beim Singen im Haus, im Garten oder auf dem Parkplatz (habe ich gerade erlebt). Und natürlich allein im Wald oder in der einmotorigen Cessna über den Wolken.

Du bist ebenso bekannt für deine musikpädagogischen Fortbildungen. Womit dürfen Erzieherinnen bei deinen Workshops rechnen? Und was macht eine gute Fortbildung aus?

Wichtig ist mir, dass ein Workshop ebenso eine „Produktion“ ist wie ein Konzert oder ein Musical. Das bedeutet, dass ich mir auch dabei Gedanken über Präsentation, Abläufe und Spannungsbögen mache. Allerdings kommt zum Aspekt der Unterhaltung der Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit hinzu. Wer einen Workshop bei mir besucht, soll möglichst viele Dinge so kennenlernen, dass er sie direkt umsetzen kann. In der Arbeit mit Kindern und Musik.

„Auf jeden Fall immer – mit Musik“

Wenn du einen Workshop bei mir besuchst, wird es dir hoffentlich nie langweilig, du wirst sehr viel selber praktisch tun und im Idealfall gleich am nächsten Tag etwas mit deinen Kindern ausprobieren. Du wirst einen sehr sinnlichen Zugang zum jeweiligen Thema bekommen, das manchmal in direktem Bezug zur Musik steht (z.B. Musik als universelle Sprache) und manchmal außermusikalischen Bezügen folgt (z.B. Kinder stark machen). Und du wirst mir hoffentlich begegnen: mal fröhlich, mal nachdenklich, mal laut und mal leise, mal bewegt und mal sehr entspannt, auf jeden Fall immer – mit Musik.

Link:

www.irmimitderpauke.de

 

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2 Antworten

  1. Du wolltest eine Musikschule kaufen?

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