2 mal 3 Fragen an … Geraldino

GERD GRASHAUSSER alias GERALDINO macht seit mehr als drei Jahrzehnten Kinderlieder. Aus seiner fränkischen Heimat bei Nürnberg bereist er den deutschsprachigen Raum mit vielen verschiedenen Musikprojekten: Ob mit Rock- oder Bigband, mit Streichquartett oder ganz solo – auf allen Kinderliederbühnen ist der quirlige Musikclown ein gern gesehener Gast. Seit 1998 organisiert er das jährliche Kindermusikfestival in Nürnberg und schreibt in diesem Rahmen gemeinsam mit den Nürnberger Nachrichten einen Preis aus. Thema des Wettbewerbs 2015: Tanz mal wieder!

– Fragen von Matthias Meyer-Göllner –

Geraldino

Geraldino

Was macht aus deiner Sicht ein Lied zum Kinderlied?

Es sollte aus der Erlebnis- und Erfahrungswelt der Kinder sein. Kinder haben eine andere Sprache, je nach ihrer Entwicklungsstufe, deshalb muss es altersgerecht sein, damit sie das Lied verstehen. Es sollte die Kinder ansprechen auf eine poetische, fantasievolle, ehrliche und witzige Art, ohne platt zu sein. Es sollte mit Liebe gemacht sein, denn das spürt man.

Welches Kinderlied gefällt dir besonders gut und warum?

Es gibt sehr viele Kinderlieder, die mir sehr gut gefallen, z.B. von Ferri der „Gummibär“, von Suli Puschban der „Hase im Cabrio“, von Matthias Meyer-Göllner die „Waldbodenfüße“, von Klaus Foitzik das Lied über das Croissant, von … ach, ich könnte jetzt ewig so weitermachen, vielleicht mache ich mal eine persönliche Hitparade meiner Kinderliederfavoriten und stelle sie auf meine Facebook-Seite oder besser noch auf die Kindermusik.de – Seite. Geraldinos Top Hundert!

Warum bist du ein guter Kinderlied-Erfinder?

Bin ich das? Vielleicht, weil es mir Spaß macht und ich gerne Lieder schreibe, deshalb bin ich ein leidenschaftlicher Kinderliederfinder. Manchmal gelingen mir Lieder gut, manchmal nicht so gut. Ob ich ein guter Kinderliederfinder bin, sollen mal lieber die anderen beurteilen. Ich glaube, gut oder schlecht, das ist meistens Geschmacksache, da urteilt jeder individuell. Auf meiner Homepage (www.geraldino.de) ist in diesem Jahr jeden Tag ein anderes Lied von mir zu hören, vielleicht ist ja eines dabei, das auch dir gefällt!

Nichtsdestotrotz bin ich sehr gerne Kinderliedermacher, denn ich fühle mich vor meinem Publikum richtig wohl. Kinder sind spontan, lachen gerne, sind ehrlich und manchmal natürlich auch ein bisschen nervig, aber in der Regel das beste Publikum der Welt. Das sage ich nicht einfach so daher, nein, das sage ich nach 30 Jahren, mit je 120 Auftritten pro Jahr. Der Beruf des Kinderliedermachers ist immer noch der tollste Beruf für mich, ich könnte mir keinen schöneren vorstellen. Ein Geschenk, das nicht jeder in seinem Leben bekommt.

Zwischen allen unterschiedlichen Stilistiken: Wo liegt deine musikalische Identität?

Ich fühle mich frei, wie eine kleine Feder im Wind. Ich mache, was mir Spaß macht. Mal mit Jazz-, Blues-, Rock-, Klassik-, Folk-, Elektronikmusikern, mal alleine, mal mit Band, mal mit Streichquartett, mal mit Orchester, mal im Duo, Trio, Quintett.

Meine Stimme, meine Lebens- und Experimentierfreude sind meine Identität. Braucht man so was eigentlich?

Was brauchst du unbedingt zum Songschreiben?

Manchmal Muße, sprich Zeit, manchmal Druck, manchmal Anregungen (Ausstellungen, Konzerte, Theater, Musik, Kino, Bücher, Gespräche …), manchmal auch gar nichts, manchmal kommt ein Song einfach so zu mir.

Warum gibt es keine traurigen Geraldino-Lieder? (Falls doch: Beispiele, bitte)

Weil ich kein trauriger Mensch bin. Im Grunde meines Herzens lache ich gerne, habe viel Spaß, bin ein geselliger Zeitgenosse, gehe viel weg, gucke mir viel an und nehme die Welt nicht so ernst, aber es gibt schon auch poetische und ruhige Lieder von mir, bei denen man jetzt nicht lachen oder schmunzeln muss, z.B.: „Heute singt der Wind“  oder „Keine Angst kleiner Teddy“ oder …

Ich träume von einer besseren Welt und möchte einfach nur glücklich sein. Und wenn ich morgen sterbe, sagen können, es war ein schönes Leben, es hat Spaß gemacht, ich würde es wieder so machen.

Einen kleinen musikalischen Traum gibt es noch zu verwirklichen und zwar träume ich davon, dass alle Kinderliedermacher zu kindermusik.de kommen können und wir eine riesige Community würden, egal ob es Profis oder Amateure sind, egal welche Qualität jeder hat. Wichtig wäre nur, dass alle gerne Musik für Kinder machen und wir uns gemeinsam weiterentwickeln, austauschen und zusammen Musikprojekte realisieren. Ob der Traum jedoch in Erfüllung geht? Manche meinen leider, sie wären was besseres, würden qualitativ höheren Ansprüchen genügen und müssten sich so von anderen abgrenzen, sich über andere stellen. Das finde ich schade. Das tut mir im Herzen weh. Vielleicht hat uns das System so gemacht, uns so geprägt. Die Leistung zählt! Nur die Besten haben das Recht, sich fortzupflanzen. Wo kämen wir da hin, wenn plötzlich alle… Oh, Weltschmerz, geh weg!

Da helfen nur die letzten Worte der Forelle: „Die Sache hat bestimmt einen Haken …“

Links:
www.geraldino.de

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1 Antwort

  1. Matthias sagt:

    Für die, die nicht direkt aus der Szene kommen: kindermusik.de ist ein Zusammenschluss von Kinderlied-Autorinnen und -Autoren aus Deutschland und Österreich. Weitere Informationen auf der Homepage. Derzeit sind dort 44 Acts versammelt, die sich austauschen, gemeinsame Festivals und andere Projekte planen und auf den Weg bringen. Unter anderem dieses Magazin.

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