2 mal 3 Fragen an … Beate Lambert

BEATE LAMBERT ist Musikpädagogin, Linguistin und Kinderliedermacherin. Geige und Klavier sind ihre Instrumente. Von ihren eigenen drei Kindern inspiriert, schreibt sie seit 1990 einfühlsame und kindgerechte Lieder. Viele davon gehören bereits zum Standardrepertoire vieler Schulen und Kindergärten. Als Vorstandsmitglied von „Il Canto del Mondo“ und Vorsitzende des Vereins „Einfach Singen! e.V.“ liegt ihr gemeinsames Singen als Mittel zu Selbstausdruck und mehr Lebensfreude sehr am Herzen.

– Fragen von Matthias Meyer-Göllner –

Beate Lambert

Beate Lambert

Was macht aus deiner Sicht ein Lied zum Kinderlied?

Eigentlich würde ich statt Kinder – und Erwachsenenlied lieber unterscheiden, ob es sich um ein kleines Kunstwerk mit eigenem Charakter handelt oder um billigen Abklatsch. Die besten Kinderlieder sind diejenigen, die auch Erwachsene gern hören, weil sie eine allgemeinmenschliche Bedeutung haben, die alle berührt – in jedem Lebensalter anders. Da Kinder in dieser Welt leben und immer mehr von ihr verstehen wollen, interessieren sie sich auch für alle Themen und für alle musikalischen Stilrichtungen. Vielleicht ist ein Unterschied, dass ein Kinderlied sich der Welt auf jeden Fall liebevoll und freundlich zuwenden sollte. Zynismus, Ironie und Sarkasmus sind Sache der Erwachsenen.

Welches Kinderlied gefällt dir besonders und warum?

„Auf einem Baum ein Kuckuck saß“: Toller Rhythmus, einfacher Text und doch von epischer Breite. Es hat mich als Kind schon schwer bewegt – Ist das jetzt wirklich der gleiche Kuckuck, der wieder da ist oder ist das ein anderer? – und es ist immer noch ein Eisbrecher, wenn ich mit Erwachsenen zu singen beginne. Und viele andere Kinderlieder, die mich als Erwachsene genau so ansprechen, wie „Ich bin anders als du“ von Robert Metcalf, „Tschüss, bis zum nächsten Mal“ von Unmada, „Wie fühlt es sich an das Glück“ von Birte Reuver etc.

Warum bist du eine gute Kinderlied-Erfinderin?

Weil ich Kinder mag, nah an den Menschen dran bin und ihnen liebevoll zugucke. Und vielleicht auch, weil ich ehrlich und authentisch bin und nichts mache, was mir nicht selbst gefällt. Das spüren die Kinder.

Wie wichtig ist es, darauf zu achten, dass Kinderlieder auch von Kindern gesungen werden können? Was ist dabei zu bedenken?

Es kommt immer darauf an, was man mit einem Lied bezwecken möchte. Es gibt durchaus gute Kinderlieder, die viel schöne Musik und eine interessante Geschichte zum Zuhören enthalten. Grundsätzlich singen Kinder irgendwann alles mit, was ihnen gefällt. Daher sollten wir uns beim Schreiben von Kinderliedern nicht künstlich einengen, denn die Kinder sind in einem Alter, in dem sich ihr musikalisches Hörvermögen herausbildet und wenn sie immer nur Lieder mit drei Harmonien hören, ist das so als würden wir ihnen immer nur Comics und nie auch mal ein Buch zu lesen geben. Mir ist es in letzter Zeit besonders wichtig, Lieder zu schreiben, die Kinder (und Erwachsene!) schnell mitsingen können. Die Kunst liegt darin, dass diese trotz ihrer Einfachheit einen gewissen Tiefgang haben, der alle anspricht.

Kann und darf man mit Kinderliedern außermusikalische Inhalte vermitteln, sie also zu „Funktionsliedern“ machen? Oder verrät man damit die „Seele“ der Musik?

Oh je … Wer sagt denn sowas?! Sind nicht fast alle Inhalte „außermusikalisch“? Musik hat schon immer Texte unterstützt und wer singt, lernt mit beiden Hirnhälften gleichzeitig und ohne Angst – also wesentlich schneller und leichter. Warum soll man sich das nicht zunutze machen? Nehmt alle Inhalte, die Kinder interessieren oder die sie lernen sollen und vertont sie! Nur bitte keine langweiligen „Funktionslieder“. Poetisch, witzig und originell darf es schon sein.

Wie hörst du Kinderlieder selbst am liebsten?

Wenn Kinder sie singen. Z.B. wenn ich an Halloween den Kindern vor meiner Tür sage, dass jeder, der mir ein Lied singen kann, nochmal in die Süßigkeitentüte greifen darf. Was dann so kommt, ist einfach herrlich! Nie werde ich die beiden waffenstrotzenden achtjährigen Gangster vergessen, die „Über den Berg Maria ging“ sangen. Aber das ist ja gar kein Kinderlied … Hm … Ist ein Kinderlied vielleicht ein Lied, das von Kindern gesungen wird? Auch nicht unbedingt, ach egal! Auf jeden Fall höre ich Kinderlieder – d.h. die neusten CDs von meinen KollegInnen – auch gern im Auto, wenn ich mit meinem Kollegen unterwegs bin und wir gleich fachsimpeln können.

Link:

www.beatelambert.de

 

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