2 mal 3 Fragen an … Klaus Foitzik

KLAUS FOITZIK, Jahrgang 1961, studierte Rhythmik an der Musikhochschule in Münster und unterrichtete dann 15 Jahre lang Musikalische Früherziehung, ehe er sich ab 2003 dem Schreiben von Kinderliedern widmete. Aus ihm heute unerfindlichen Gründen lernte er als Kind Akkordeon, hat aber die Kurve noch gekriegt und ist heute an Schlagzeug, Klavier und Gitarre zu Hause. 2004 war er als erster Sauerländer Preisträger bei Geraldinos Kindermusikfestival; ein Erfolg, den er 2006 und 2011 wiederholen konnte. Seine aktuelle CD „Wenn die Buchstaben Feierabend machen“ wurde mit dem „Blauen Bengel“ für erwachsenen-verträgliche Kinderkultur ausgezeichnet.

– Fragen von Elke Kamper –

Klaus Foitzik und seine Ente "Pudding"

Klaus Foitzik und seine Ente „Pudding“

Was macht aus deiner Sicht ein Lied zum Kinderlied?

Kinder! Mit allem was sie denken, fühlen, lieben, hassen, wünschen, träumen, tun und lassen.

Welches Kinderlied gefällt dir besonders gut und warum?

Ganz besonders mag ich die Lieder der „Kids mit Handicaps“. Das sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Billerbeck. Sie haben ohne Vorbereitung zu Endlosplaybacks gesungen, gerappt, gesprochen. Alles improvisiert und dabei sind Texte, Melodien, Rhythmen entstanden, die ich anschließend so zusammen geschnitten habe, dass Lieder mit Strophen und Refrains entstanden sind. Lieder voller Lebendigkeit, voller Stolz, voller Humor – eine kleine Kostprobe gibt es hier.

Von meinen eigenen Liedern mag ich „Engelberta“ am liebsten, weil der kreative Prozess von der ersten Idee bis zum Song auf CD so klasse war. Die Musiker haben ein super Arrangement entwickelt, das den Text und seine Botschaft optimal transportiert. Dazu Pia, damals 15 Jahre alt, die das Engelmädchen ausdrucksstark zum Leben erweckt hat; Hermanns „göttliches“ Gitarrensolo; Wolfgang in der Rolle seines Lebens – als „lieber Gott“ 😉 Kurz: Ich habe erlebt, wie gemeinsam mit allen Mitwirkenden ein Song entstanden ist, der über meine ursprüngliche Komposition weit hinausgeht. So was liebe ich total, wegen dieser kreativen Prozesse mache ich Musik.

Warum bist du ein guter Kinderlied-Erfinder?

Was heißt “guter Kinderlied-Erfinder”? Gibt es auch schlechte? Finde ich nicht – es gibt nur Menschen, denen Künstler gut gefallen oder nicht. Kreative Leistung hat in jedem Fall Respekt verdient. Wer etwas erfindet, sollte nicht beurteilt werden.

Ich kann von meiner Musik leben und mache jedes Jahr zwischen 100 und 150 Kinderkonzerte. Ich hab auch schon Preise gewonnen für meine Lieder. Das sind aber nicht die Dinge, die mir das Gefühl geben, dass ich meine Arbeit gut mache. Dieses Gefühl habe ich, wenn sich Kinder und Erwachsene bei meinen Konzerten gemeinsam kringeln vor Lachen; wenn Schulleiter nach einer Stunde Konzert ihr Erstaunen zum Ausdruck bringen, dass alle Kinder so lange aufmerksam mitgemacht haben; wenn ein Bürgermeister nach dem Konzert sagt “Ich hab ganz vergessen, dass ich erwachsen bin.”

Und vor allem nach Erlebnissen wie diesem: Nach einem Konzert (“Im Dschungel der Gefühle”) laufe ich zwischen Kindergarten und Parkplatz hin und her und packe meine Technik ins Auto. Ein kleines Mädchen schließt sich mir an und erzählt mir alles Mögliche. Ganz unvermittelt spricht sie davon, dass sie immer Angst hat, und das Gespräch entwickelt sich sehr intensiv. Die Erzieherinnen erzählen mir nachher, dass die Kleine sonst mit kaum Jemandem redet.

So was passiert nicht oft. Und meistens kriegen wir Künstler ja gar nicht mit, was nach einem Konzert in Kindern vorgeht. Aber darum geht es: Dass unsere Kinderlieder auf Kinder (und Erwachsene) treffen, sie zum Lachen, zum Nachdenken, zum Tanzen und Singen bringen – kurz: etwas in Bewegung bringen. Wer das kann, der ist gut.

Wer deine Lieder hört, merkt sofort, sie sind mit unglaublich viel Sprachwitz und Liebe zum Detail geschrieben. Vertragen sich Kinderlieder und Liveprogramme für Kinder auch mit Comedy?

Sinnloses Reden, jeder Satz ein Lacherfolg – diese Art von Comedy mag ich nicht. Ich liebe den Humor, der aus dem Alltäglichen erwächst. Die beste Comedy schreibt das Leben selbst und Kinder sind eine unerschöpfliche Quelle an richtig witzigem Material (ganz zu schweigen von Eltern).

Ich bin auch nicht der Erste, der Kinderlieder mit „Comedy“ (ich nenn es jetzt mal so) verbindet. Beobachten – das Komische im Alltag sichtbar machen – all unsere Macken und Eigenarten karikieren – nicht über einen Witz, sondern über sich selbst lachen: Das hat schon lange vor mir der Paderborner Kabarettist Erwin Grosche gemacht, der für mich in vielerlei Hinsicht Idol und Vorbild ist. (Okay, ich gebe zu: Kinder lachen nicht so gern über sich selbst, sondern lieber über Mama und Papa. Lässt sich einrichten.)

In diesem Sinne: Ja. Kindermusik und Comedy passen sehr gut zusammen. Und außerdem: Kinder lachen heutzutage einfach viel zu wenig. Womit wir zur nächsten Frage kommen.

Klaus Foitzik und seine Ente "Pudding"

Klaus Foitzik und seine Ente „Pudding“

Klaus, möchtest du mit deinen Kinderliedern die Welt verändern?

Ich hatte mal Kontakt zu den Machern einer bekannten deutschen Kindersendung, die mir mitteilten, meine Lieder seien für eine Verwendung in besagter Fernsehsendung „nicht sinnentleert genug“. Seither achte ich sehr genau darauf, dass das so bleibt.

Meine Lieder spiegeln meinen eigenen Spaß an Fantasie, Kreativität und Spiel – alles Dinge, die heutzutage im Kinderalltag oft nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Ich möchte Kinder damit anstecken und Erwachsene auch – und es gelingt! Bei fast jedem Konzert lachen Groß und Klein gemeinsam Tränen, weil sie solchen Spaß am Kindsein haben.

Mein Motto: „Wenn wir die Welt mit den Augen der Kinder betrachten, sehen wir unsere Kinder mit anderen Augen.“ Wenn Kinder wieder Kind sein können und Erwachsene den Kinderalltag daran orientieren, dann ändert sich ein Stückchen Welt. Dafür kann man schon mal ein paar Lieder erfinden, die nicht sinnentleert genug sind, oder?

Eine „Alles ist möglich Frage“: Wenn alles möglich wäre, welches Kinderliederprojekt würde Dir dann besonders am Herzen liegen, findest du, dass die Kinderwelt braucht, würdest du dann (und vielleicht auch tatsächlich eines Tages) machen?

Zuallererst finde ich – unabhängig von bestimmten Kindermusikprojekten – , dass Kinder es verdienen, dass ihre Musik genauso aufwändig arrangiert und produziert wird wie Musik für Erwachsene. Mir hat tatsächlich mal jemand nach einem Konzert mit Band gesagt: „Ihr seid für Kindermusik viel zu gut.“ (Danach war in meiner Band der Running Gag beim Feilen an neuen Arrangements: „Ach, egal, ist ja nur für Kinder.“)

Hinter so einer Rückmeldung steckt die Auffassung, dass Kinder es sowieso nicht hören, geschweige denn zu schätzen wissen, wenn Musik aufwändig gemacht ist. Das halte ich für großen Unsinn. Kinder kriegen vielleicht nicht bewusst mit, welche Qualität die Musik hat, die ihnen vorgesetzt wird – aber sie erleben Musik noch mehr (direkter, unmittelbarer) als wir Erwachsenen. Und wie sollen sie gute Musik schätzen lernen, wenn Kindermusik nicht gut klingt?

Für gute Musik braucht man gute Musiker, einen guten Produzenten und viel Zeit. Das kostet Geld. Im Kindermusikbereich, wo Eintrittsgelder weit unter dem Erwachsenenniveau liegen (weil Eltern ja kein Geld für Kinderkultur haben, nur für 3D-Kino); wo Künstler vergleichsweise wenig Gage verdienen, obwohl sie denselben Aufwand betreiben wie Künstler im Erwachsenenbereich (und live in der Interaktion mit Kindern sehr viel mehr leisten müssen); wo CDs ein Verlustgeschäft sind – da steht das Geld für eine qualitativ hochwertige Aufnahme meist nicht zur Verfügung. Wenn alles möglich wäre, dann wäre das für mich das Erste, was möglich sein müsste.

Und dann habe ich mehrere Kindermusical-Ideen in der Schublade liegen, die ich gern verwirklichen würden. Zuallererst: „Manchmal brauchst du einen Löwen“, ein Kindermusical übers Angst-haben und Angst-machen. Mit diesem Musical hat meine Kinderlieder-Karriere begonnen, es gab bereits eine Inszenierung – aber bis heute leider noch keine professionelle Aufnahme.

Eine weitere Idee für ein Kindermusical findet sich auf meiner CD „Wenn die Buchstaben Feierabend machen“. Darauf gibt es das bereits erwähnte Lied „Engelberta“, das von einem Engelmädchen erzählt, das lieber Rockmusik macht, statt im Engelchor zu singen. Ich würde diese Geschichte gern ausführlich erzählen, aufnehmen und inszenieren – mit Engelchor und Rockband, versteht sich (Sponsoren, greift zum Telefon).

Und schließlich: Die Welt braucht Kinder, die singen und kreativ sind. Und sie braucht Erwachsene, die Kindern kreatives Arbeiten nahe bringen. Kreativität hat einen viel zu geringen Stellenwert hierzulande, findet im Schulalltag so gut wie gar nicht statt. Ich würde gern häufiger gemeinsam mit Kindern Lieder erfinden und aufnehmen.

Link:

www.kinderwachsen.de

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2 Antworten

  1. Das beste Interview, dass ich in dieser Reihe gelesen habe … Chapeau Klaus … und Danke für die wahren Worte …

  2. Sympathische Gedanken von einem sympathischen Künstler!

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