Rocken und Röhren: Punkrock und Kinderchöre (Kieler Kinderliederwoche – Tag 3)

– Ein Text von Matthias Meyer-Göllner –

Die Beat for Kids beim Soundcheck auf der Kieler Kinderliederwoche

Die Beat for Kids beim Soundcheck auf der Kieler Kinderliederwoche

Eigentlich passt das überhaupt nicht zusammen: Die einen sind angetreten, um dem „Gedudel der schrecklichen Ohrwürmer“ den Kampf anzusagen und endlich mal „coole Kindermusik“ zu machen. Die anderen arbeiten mit Kindern an eben diesem „eingestaubten Summdidumm“ und versuchen so, die Begeisterung für das Singen zu wecken. Auf dem Kinderliederfestival zur Kieler Woche konnte man heute beides erleben – auf einer Wiese. Kann das gut gehen?

Wenn man die Kinder fragt, auf jeden Fall. „Au ja, toll, die kenne ich“, strahlt Sarah mich an, als ich von Randale erzähle. Die spielen heute zum ersten mal auf der Freilichtbühne zur Kieler Woche und machen Punkrock. Und sind manchmal richtig laut. Aber es ist nicht nur das. Mit ihren witzigen Songs wandern sie durch verschiedene Stile und Jochen Vahle, Sänger und Entertainer des Bielefelder Quartetts, sorgt für guten Kontakt zwischen Musikern und Publikum.

Sarah kennt die Band jedenfalls. Sarah gehört zu den „Beat for Kids“, einem Kinderchor aus Prisdorf in Schleswig-Holstein, der gerade seine Proben auf der ABK-Bühne beendet hat. Zum ersten Mal haben sie dabei die Kinder der Klangkiste aus Kiel kennengelernt, die genau wie sie seit Wochen auf dieses Konzert hingearbeitet haben. Der Soundcheck und die Proben sind gut gelaufen und sie singen Songs wie „Über das Meer“, „Piraten ahoi“ und natürlich von den 1000 Segeln auf der Kieler Förde.

Stampfender Rhythmus mit Besen, Kochlöffel und Piratenfahne

„Mia hat ihrer Oma das Lied ‚Meine Omama‘ auf den Anrufbeantworter gesungen“, erzählt mir eine Mutter in der Wartezeit. „Sie war total gerührt.“ Der Song stammt – wie alle Lieder der „Beat for Kids“ – aus der Feder von Sabine Johannsen und Uli Kegel, die den Chor leiten und bei seinen Auftritten begleiten. Mia gehört zu den Kindern, die in den Chören der Klangkiste in Kiel mitsingen. Zur Klangkiste gehören außerdem die „Groove-Kids“, die sich für heute den Mülltonnentrommelsong und Zappelbanden-Klassiker „He du da“ vorgenommen haben.

Meike Seeger, Uta Lorenz und Michaela Mandelkow motivieren die Kinder und stecken sie mit ihrer Begeisterung für die Musik an. „Kinder machen Musik mit allen Sinnen“, sagt Michaela, die mit den Groove-Kids auch den schwer stampfenden Rhythmus zum Piratenkanon beisteuert: mit Besen, Kochlöffel und Piratenfahne. Meike leitet den vierstimmigen Kanon an. „Ich hoffe nur, dass ich die Kinder alle sehen kann.“ Beim Dirigieren steht sie vor der Bühne, auf der die Kinder ihr gebannt folgen.

Die Bielefelder Punkrocker von Randale präsentieren auf der Krusenkoppel Käpt'n Wurstsalat

Die Bielefelder Punkrocker von Randale präsentieren auf der Krusenkoppel Käpt’n Wurstsalat

In der Pause zwischen Probe und Auftritt gehen wir gemeinsam zur Freilichtbühne, um etwas vom Randalekonzert mitzubekommen. Das Konzert läuft schon ein paar Minuten und die Kinder sind den Musikern schon ziemlich nahe gerückt und begutachten das Bühnenequipment. Ein gewohntes Bild auf der Krusenkoppel: Die Kinder zeigen ihre Zuneigung auch durch immer weitere Verringerung der räumlichen Distanz. Wer damit nicht umgehen kann, hat schlechte Karten.

Cooler Rock oder schrecklicher Ohrwurm: Ein Kinderlied kann alles sein

Für Randale scheint das kein Problem zu sein: Gitarrist Marc erklärt einem Jungen sein Effektboard, während Jochen das nächste Lied ankündigt. „Der nächste Song ist nichts für Vegetarier“, erzählt er – um sich dann zur Freude des Publikums in Käpt’n Wurstsalat zu verwandeln. Die Kinder sind begeistert und lachen, singen und tanzen mit. Das sieht nach allerbester kindermusikalischer Unterhaltung aus.

Und dieselben Kinder erreichen mich später irgendwo in meiner Musikerseele, als sie „1000 Kinder suchen 1000 neue Wege“ auf der ABK-Bühne singen. Nicht nur gemeinsam mit anderen Chören, denen sie frisch begegnet sind, sondern auch mit (fast) allen anderen Menschen auf dem Wiesenhügel vor der Bühne. Ein bisschen pathetisch zwar, aber doch schön.

Es geht also tatsächlich zusammen, denn ein Kinderlied kann eben alles sein: Cooler Rock oder schrecklicher Ohrwurm, Punkpanda oder Kinderchor. Vermutlich sind Abgrenzungen da eine reine Erwachsenenangelegenheit. Kinder haben ihre eigenen Wege zu erkennen, was es gut mit ihnen meint und was nicht.

Link:

Bühnenprogramm der Kieler Kinderliederwoche 2016

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