Das Hinternwackeln und der Friede der Erde: 1. Oberlausitzer Kindermusikfestival startet

– Ein Text von Matthias Meyer-Göllner –

vl.: Andi Traub, Donikkl, Suppi Huhn, Paul, Fum und Festivalorganisstorin Beste Tarrach

vl.: Andi Traub, Donikkl, Suppi Huhn, Paul, Fum und Festivalorganisstorin Beste Tarrach

Schmochtitz. Mittwoch, der erste Tag im Februar, mancher der angereisten Mitwirkenden kommt von so weit her, dass er in diesem Winter zum ersten Mal Schnee erlebt. Das ehemalige Schloss der von Schönbergs liegt mitten in einer idyllisch weißen Winterlandschaft. Heute befindet sich in den altehrwürdigen Gemäuern das Bischof-Benno-Haus und es leuchtet in gelb und rot in der langsam schwindenden Nachmittagssonne. Und wer sich die Zeit nimmt zu lauschen, der hört Musik. Die Bildungsstätte in der Oberlausitz ist nämlich in diesen Wintertagen die Herberge für Deutschlands Kindermusikszene.

Kinderliedermacherinnen und Kinderliedermacher aus ganz Deutschland, die sich in dem Sammelbecken „kindermusik.de“ zusammengeschlossen haben, halten ihr jährliches Treffen ab. Und weil viele von ihnen zum ersten Mal in der Oberlausitz sind, haben sie beschlossen, ein Festival zu veranstalten, das erste seiner Art im östlichen Zipfel der Republik. Bei Konzerten, Workshops und Mitmachaktionen im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien eint sie alle dieses Anliegen: Die Kinderlieder überall ins Land zu bringen, auf dass viele Menschen sie auf ihren Lippen und in ihren Herzen tragen mögen.

Spaß haben und gemeinsam auf der Bühne Musik machen

Dabei könnten Sie musikalisch kaum unterschiedlicher sein. Andi und die Affenbande sind zum Beispiel eine echte Rockband und laden gemeinsam mit Kollegen zu einer rockigen Kindermitmachparty ein. Cattu hingegen kommt aus Berlin und hat vor einiger Zeit den Preis für das schönste deutsche Schlaflied gewonnen. Donikkl aus Kehlheim ist berühmt für sein „Fliegerlied“, das man auch in den Diskotheken landauf und landab hören kann. Rolf Grillo aus Freiburg wiederum ist in den Rhythmen der Welt zu Hause und begeistert die Menschen in seinen Workshops. Es sind im Moment 43 Kindermusik-Acts, die dazu gehören und viele davon sind nach Bautzen gekommen.

Die altehrwürdigen Gemäuer des Bischof-Benno-Haus waren voller Musik.

Die altehrwürdigen Gemäuer des Bischof-Benno-Haus waren voller Musik.

Für die verschiedenen Veranstaltungen in sieben verschiedenen Gemeinden wurde am Mittwoch geprobt, das Bennohaus war voller Musik. Die Gruppe „Im Rhythmus der Welt“ probte bis spät in den Abend, Beate Lambert aus Marburg hatte Pech und landete auf ihrer Anreise im Megastau. Deswegen machte sie mit Rolf Grillo Überstunden. Zu Ihrer Gruppe gehören auch Beate Tarrach und Reinhard Simmgen, die besser bekannt sind als „Leichtfuß und Liederliesel“. Als Oberlausitzer liegt in ihren Händen die Organisation des Festivals. Was sie aber nicht davon abhält, selbst aktiv ins Geschehen einzugreifen. Denn daran haben sie alle Spaß: Gemeinsam auf die Bühne gehen und Musik machen.

Die Altmeister der Szene gaben sich die Ehre

Am Donnerstag ging es dann sehr früh los: Die letzten am Abend waren die ersten am Morgen und brachten die Kinder in der Montessorischule in Bautzen in Schwung. „Die Kinder waren sehr konzentriert und voll dabei“, berichtet Rolf Grillo später und erzählt, dass er viel Spaß beim anschließenden Konzert „Anders als du“ hatte – diesmal als Zuschauer. Er mischte sich unter die zahlreichen Kinder, als sich mit Ferri, Markus Rohde, Klaus Foitzik und Robert Metcalf die Altmeister der Szene die Ehre gaben. Ihr Programm ist für das Frankfurter Kinderliederfestival 2016 entstanden (Kinderlieder-Magazin berichtete) und erlebte in der Oberlausitz seine Wiederaufnahme.

Suli und Astrid: Rotzgören in Aktion

Suli und Astrid: Rotzgören in Aktion

Ortswechsel. „Unser Kreis, er sei offen, aber ungebrochen, lasst den Frieden der Erde in unseren Herzen sein!“ In der sorbischen Grundschule in Bautzen steht ein Chor auf der Bühne und singt Lieder von Frank Bode, Unmada und Matthias Meyer-Göllner – auf Sorbisch. Da müssen die drei sprachlich passen, obwohl sich Frank mit rudimentären Polnischkenntnissen ein kleines bisschen vom Text erschließen kann – er hatte mal eine polnische Freundin. Im Anschluss kamen Suli Puschban und Astrid Hauke rotzfrech daher. Über 150 Zuschauer waren begeistert, lernten das Klatschen auf die richtige Zählzeit und sangen auch bei der zweiten Zugabe noch aus vollem Hals mit: „Ich hab die Schnauze voll von Rosa.“

Begeisterte Teilnehmer bei den Workshops

In Löbau arbeiteten zur selben Zeit Josefine Kronfli und Pit Budde mit Schülern der 5. und 6.Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. „Sie haben unsere Lieder sehr gut vorbereitet, teilweise mit mehrstimmigen Gesangsarrangements“, sagt Pit und seine Karibuni-Partnerin ergänzt: „Drei Stunden Probe und anschließend noch ein gemeinsames Konzert – das war ziemlich anstrengend, auch für mich! Aber es hat großen Spaß gemacht!“

Angefangen in der Mitte unten im Uhrzeigersinn: Suli, Donikkl, Astrid, Larissa, Anders, Klaus, Frank, Josefine, Pit, Helmut, Robert, Fum, Andi, Unmada, Ferri, Gaby Hilsberg, Johannes, Mathias, Suppi, Thomas Sutter

Angefangen in der Mitte unten im Uhrzeigersinn: Suli, Donikkl, Astrid, Larissa, Anders, Klaus, Frank, Josefine, Pit, Helmut, Robert, Fum, Andi, Unmada, Ferri, Gaby Hilsberg, Johannes, Mathias, Suppi, Thomas Sutter

Im Bennohaus liefen in der Zwischenzeit Workshops für Pädagoginnen und Pädagogen. Geraldino aus Nürnberg hatte in seiner Veranstaltung drei Themen: „Kinderlieder und Sprache, Mathe mit Musik und Bewegungslieder!“ Hören – Singen -Spielen hieß es später bei Helmut Meier aus Krumstedt und seine Teilnehmer und Teilnehmerinnen ließen sich auch darauf ein, als Elefanten im Zoo zu tanzen. Auch  Beate Lambert war am Nachmittag begeistert, wie bereitwillig sich die Besucher ihres Workshops „Bewegung mit Musik und Sprache“ auf das gemeinsame Singen einließen.

Rock, Reggae, Ska und Punk

Die Federführung für das Festival hat das soziokulturelle Zentrum Steinhaus in Bautzen übernommen. Natürlich erklingt dort auch Musik. Den Anfang machten am Morgen Cattu, Johannes Kleist, Mathias Lück und die Hexe Knickebein mit ihrem Programm „Sing mir eine Geschichte“. Abenteuerliche Welten beschwören sie herauf und singen von Rittern, Piraten und sogar einem „Mann aus Eisen“. Die vielen Besucherinnen und Besucher ließen sich begeistert mitnehmen auf diese fantastische Reise.

Rock im Kindergarten, vl.: Andi, Suppi, Donikkl, Paul, Fum

Rock im Kindergarten, vl.: Andi, Suppi, Donikkl, Paul, Fum

Am Nachmittag war das Steinhaus dann fest in „Rockerhand“: Um den Augsburger Andi Traub hatten sich neben seinem Gitarristen Fum auch Suppi Huhn aus Mühlheim und der quirlige Donikkl geschart, der von allen Beteiligten an diesem Tag mit Abstand am höchsten sprang. „Den Hintern ganz doll wackeln und die Arme nach oben…“ Mit Rock, Reggae, Ska und Punk brachten sie den Saal zum Kochen und wurden von den 200 Kindern wie echte Rockstars gefeiert.

Sehr erfolgreicher Start für das 1. Oberlausitzer Kindermusikfestival

Anschließend wurde die Bühne für eine weitere Probe benötigt. Gemeinsam mit Kindern der Tanzschule Pohle bereiteten Helmut Meier, LiLaLindwurm aus Mönchengladbach und Larissa aus Buchholz ihr Programm vor: „Tanz mir ein Lied“ heißt es und kommt am Freitag und Samstag zur Aufführung.

Das 1.Oberlausitzer Kindermusikfestival ist also sehr erfolgreich gestartet und die Region um Bautzen darf sich auf viele weitere tolle Veranstaltungen freuen.

Link:

www.kindermusik.de/Festival

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1 Antwort

  1. Hauke sagt:

    Was für ne Veranstaltung! Grandios! Wir lieben Kinderlieder und hier haben wir noch ein kleines fingerspiel für euch: https://www.youtube.com/watch?v=vFsyb3P-xNw
    Matthias hat Unmada dieses Fingerspiel in Bautzen beigebracht!

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