Ballermann oder Gesangskunst? Ein Streitgespräch über das Headset auf der Bühne

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, buhlen Kinderliedermacher und Kinderliedermacherinnen um die Gunst des Publikums. Da es dabei um Musik geht, wird oft auch gesungen. Doch wie bringt man den Gesang am besten in die Kinderohren? Stellt man sich Gitarre spielend hinter ein auf ein Stativ gepflanztes Mikrofon? Oder schnallt man sich ein Headset um den Kopf?

Cattu, der Traumfänger aus Berlin (alias Carsten van den Berg) und Matthias Meyer-Göllner aus Kronshagen gerieten über dieses Thema in einen Disput. Sie trafen sich beim diesjährigen Kinderliedermitmachfestival zur Kieler Woche. Und weil die Frage vielleicht auch den ein oder anderen Kollegen (weibliche natürlich inkludiert), dokumentieren wir dieses Gespräch hier.

– Matthias Meyer-Göllner im Gespräch mit Cattu –

Gesang per Headset oder per Mikro in der Hand? Darüber diskutieren die Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner und Cattu.

Gesang per Headset oder per Mikro in der Hand? Darüber diskutieren die Kinderliedermacher Matthias Meyer-Göllner und Cattu.

Matthias: Lieber Cattu, du kannst doch eigentlich singen. Warum verschandelst du dann deine Stimme bei den Kinderkonzerten mit einem Headset?

Cattu: Vielen Dank für das Kompliment, lieber Matthias, ich finde, das ganze hängt auch ein bisschen vom Headset ab. Bisher habe ich immer mit Headsets gesungen, die einen relativ guten Klang hatten. Natürlich nicht so gut, wie ihn ein hochauflösendes Handmikrofon hätte. Aber ich war damit immer sehr zufrieden. Bisher hat sich jedenfalls noch niemand beschwert.

„Die Soundqualität ist deutlicher schlechter beim Headset“ 

Matthias: Die Frage, warum sich niemand beschwert, steht nochmal auf einem anderen Blatt. Vielleicht hat er ja auch nur Angst davor, sich zu beschweren. Die Soundqualität ist doch deutlich schlechter. Ein Headset kann qualitativ hochwertig sein, trotzdem fehlt eine vernünftige Mikrofontechnik beim Singen. Das Headset hat immer den gleichen Abstand zum Mund. Wenn du, der du auch hohe Töne singen kannst, diese ohne Abstandstechnik in dein Headset singst, hast du plötzlich einen Übersteuerungspegel.

Cattu: Ich stelle mein Headset natürlich vorher auf die hohen Pegel ein, damit genau das nicht passiert. Dafür gibt es ja den Gainregler. Ich habe Übersteuerung noch nicht wahrgenommen. Ich versuche vor einem Konzert zu testen, ob der Sound einigermaßen gut ist. Er fällt natürlich ab gegenüber einem gut mikrofonierten Mikrofoneingang, aber ich bin bisher nicht unzufrieden gewesen. Zumal ich stimmlich so ausgebildet bin, dass ich auch mit einem Headset meinen Stücken gerecht werden kann.

„Ich habe den großen Vorteil, dass ich mich bewegen kann“

Ich habe von vornherein einen gewissen Abstand zum Headset – wenn das Headset ganz dicht am Mund ist, läuft man Gefahr, dass es zu Übersteuerungen kommt – und singe dann die Stimme voll aus. So habe ich den großen Vorteil – und das ist das Hauptargument für das Headset – dass ich mich bewegen kann.

Matthias: Aber das ist doch der Punkt: Du singst dein „Ich guck so gern in fremde Töpfe“ oder deinen „Tierstimmen-Rock’n’Roll“ und bewegst dich wie wild. Dabei kommst du leicht außer Atem und du überträgst in der nächsten Liedpause Atemgeräusche über dein Headset. Du hörst, wenn du atmest, wenn du hustest, wenn du schnaufst – nicht sehr künstlerisch, wie ich finde.

Cattu: Das kommt drauf an: Vielleicht wäre eine Mischung ganz gut. Wenn ich zum Beispiel den „Fischtanz“ mache, benutze ich ein Halbplayback. Ich singe live und die Musik kommt vom Band, weil ich ein kleines Korallenriff ins Publikum stelle und dann mit bis zu 200 Kindern vor der Anlage mich drum herum bewege. Das funktioniert wunderbar, es gibt zwar Atemgeräusche, aber mit einem Mikrofon wäre diese Aktion nicht möglich.

Matthias: Da würde ich gerne widersprechen. Ich mache auch Aktionen, bei denen ich ins Publikum gehe, bei denen ich auch mit 200 Kindern die Runde drehe und Bewegungsspiele mache …

Cattu: … aber dann hast du immer nur eine Hand frei …

„Das gehört zum Bild dazu: Der Sänger hat ein Mikrofon“

Matthias: Damit muss ich leben. Das ist für mich ein wichtiges Argument: Wir sind Sänger. Und zum Sänger gehört ein

Mikrofon. Du wirst auf der Welt keinen professionellen Sänger finden, wenn er nicht Musicaldarsteller ist, der freiwillig auf das Mikrofon verzichtet. Denn es gehört nicht nur zum Ton, sondern auch zum Bild dazu: Der Sänger hat ein Mikrofon. Ein Mikrofon drückt auch bildlich etwas aus für die Kinder.

"Du hörst, wenn du atmest, wenn du hustest, wenn du schnaufst": Matthias Meyer-Göllner kann dem Headset von Cattu nicht viel abgewinnen.

„Du hörst, wenn du atmest, wenn du hustest, wenn du schnaufst“: Matthias Meyer-Göllner kann dem Headset von Cattu nicht viel abgewinnen.

Cattu: Das ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für uns Kinderliedermacher, dass wir auch auf die Stimme Wert legen – was leider nicht immer der Fall ist. Aber ich komme auf das Beispiel Musical zurück: Musicals laufen ausschließlich mit Headsets. Warum ist das so? Weil die Leute Sänger und Schauspieler und Tänzer sind und alles auf einmal machen. Wir sind so ähnlich wie Musicaldarsteller. Die Schauspielerei ist nicht ganz so stark im Vordergrund …

Matthias: … naja und der Tanz auch nicht …

Cattu: Das ist Auslegungssache!

Matthias: Das ist schon ein Unterschied. Ich würde mich schon im Hinblick auf das, was ich musikalisch und sängerisch auf der Bühne tue, mit Künstlern vergleichen wollen, die dasselbe für Erwachsene machen. Ich würde es nicht wagen, mich auch nur annährend mit entsprechenden Profis mit dem zu vergleichen, was ich tänzerisch und schauspielerisch zu bieten habe.

Cattu: Das ist richtig. Es geht ja auch nicht um Kunsttanz. Es geht ja nur darum, dass du singst und dich dazu bewegst. 

Matthias: Es geht um ein Bild. Hier haben wir das Bild des Sängers, der eigene Lieder singt und womöglich dazu Gitarre spielt und dort das des Musicaldarstellers, der tanzt und schauspielert und singt.  Und das übrigens mit viel aufwändigerer Technik, als wir es machen.

Da ist nicht ein Mikro angeschlossen, das mit einem Gainregler eingestellt wird. Da ist ein hochwertiges Mikrofon genau austariert, festgeklebt, in stundenlanger Maske eingearbeitet. Da sitzt eine Kompressionsmaschinerie dahinter, da sitzen Techniker dahinter, die genau auf mögliche Übersteuerungen achten. Diese Möglichkeiten hast du als Kinderliedermacher nicht.

„Für mich gehört Animation auch dazu“

Cattu: Die schlimmsten Veranstaltungen, die ich gesehen habe, sind diejenigen, bei denen ein Headset verwendet wird, das erstens nicht hochwertig ist, das über eine schlechte Anlage geht, das nicht gut ausgesteuert ist und bei denen die Leute als Performer schlecht sind. Du kannst das dadurch ausgleichen, dass du ein sehr hochwertiges Headset hast. Die Qualität ist dann immer so, dass du diesen Effekt, dass jemand im Publikum sitzt und denkt „Aua, das geht ja gar nicht!“ nicht hast. Den gibt es bei mir nicht. Und ich kann mich bewegen, obwohl ich natürlich auch kein Kunsttänzer bin.

Wenn ich zum Beispiel meinen Hexentanz mache mit einem Besen, dann möchte ich gerne den Kindern beibringen, dass ich bei der „Zisch“-bewegung den Besen unten auf dem Boden habe und ihn dann umdrehe und nochmal klopfe. Wie mache ich das mit einer Hand? Das ist echt schwierig. Ich möchte das Ganze so animieren, für mich gehört Animation auch dazu, nicht als Hauptding, aber sie ist auch ein Teil. 

Matthias: Es ist meiner Ansicht nach eine Sache der Regie, wie ich etwas mache. Du musst dir eben vorher überlegen: Wann stehe ich am Mikrofon, wann habe ich es in der Hand und wann mache ich etwas ohne Mikro? Ich kann am Mikrofon stehen und die Besenbewegung beschreiben, dann gehe ich weg und mache sie vor und sage dabei nichts. Das geht alles.

Cattu: Aber es ist schwierig, dabei ein Programm zu behalten, was im Fluss bleibt.

„Wenn du durch ein Headset sprichst, bist du immer verstärkt“

Matthias: Dem widerspreche ich. Ich würde eigentlich erwarten, dass man sich diese Gedanken für jedes Programm macht, auch mit Headset. Das gilt genauso für die Teile, die es auch bei mir gibt, die du Animation nennst. Die müssen auch gut durchdacht und gearbeitet sein. Das Headset verleitet dazu, sich da nicht so viele Gedanken zu machen. Du machst es dann wie in der Musikstunde, als würdest du so mit den Kindern sprechen.

Das ist aber nicht so. Wenn du durch ein Headset sprichst, bist du immer verstärkt. Schlimmstenfalls vergisst du das und unterhältst dich mit den Kindern um dich rum, das hören aber alle in Reichweite der Anlage: Der Wurstverkäufer, der Kritiker vom NDR, die Eltern … 

Cattu: Da sollte aber eine gewisse Professionalität dafür sorgen, dass einem das nicht passiert. In dem Moment, wenn man das Ding an hat, muss man sich auf der Bühne auch entsprechend verhalten.

Matthias: Die Verlockung ist aber groß, sich solche Überlegungen zu sparen.

Cattu: Hast du es denn selbst mal versucht?

Matthias: Ich habe zwar immer wieder mal mit dem Headset gearbeitet, aber nie wirklich versucht, es als Option für mich durchzuspielen.

Cattu: Welche Erfahrung hat denn zu deiner Aversion gegen Headsets geführt: Der eigene Umgang oder das, was du von Kollegen gesehen hast?

„Das Handmikro ist einfacher zu regeln“

Matthias: Eigentlich beides. Aber es wäre übertrieben zu behaupten, dass ich das wirklich ausprobiert hätte, weil ich dazu wirklich zu voreingenommen bin. Dazu habe ich zu sehr dieses Animateurbild vor Augen: Mallorca, Club Robinson, Hey-Gute-Laune und ihr müsst … im Gegensatz zum Sänger.

Ich habe beim Kinderliedermitmachfestival auf der Kieler Woche anfangs probiert, mit dem Headset zu arbeiten. Da ist ja viel Bewegung auf der Bühne und ich habe viele unterschiedliche Parts zu spielen, da ist jedes Stativ weniger schon eine Hilfe.

Ich habe dabei gemerkt, dass ich das nicht gut finde und dass die Techniker das nicht gut finden. Wenn du mit Bühnentechnikern sprichst und die hören „Headset“, dann schlagen die die Hände über dem Kopf zusammen. Das Handmikro ist eben einfacher zu regeln. Diese Erfahrungen haben wir an der Bühne auch gemacht.

„Viele Leute unterschätzen die Qualität des Headsets“

Cattu: Das große Problem ist, das sehr viele Leute die Qualität des Headsets unterschätzen. Die denken, dass man sich Dinger für unter 200 oder gar unter 100 Euro kaufen kann – am besten gleich zwei oder drei davon –, um damit dann auf die Bühne zu gehen. Das klingt natürlich wirklich schlimm. Das rauscht, das verzerrt … Wenn du eine gute Kapsel hast, dann hast du trotzdem einen gut aufgelösten Sound.

Du kannst natürlich nicht wirklich Mikrofonarbeit machen, mit nah rangehen und an lauten Stellen weg, wie zum Beispiel Rocksänger es machen. Das ist ja auch eine Sache, die man lange üben muss, wenn man es gut machen möchte. Trotzdem kannst du sängerisch agieren. Ich werde manchmal hinterher von den Leuten gelobt: Du hast ja eine schöne Stimme. Und sie sagen nicht dazu: … obwohl du ein Headset aufhast.

Matthias: Das verkneifen sie sich vielleicht. Es kommt ja keiner nach dem Konzert zu dir und sagt: Du singst ja toll, aber mit einem Mikro wäre das noch viel besser. Das würde ja zu dir keiner sagen außer mir. Du kommst ja aus der A-cappella-Szene. Da legt man ja sehr viel Wert auf Sound, Zusammenstellung, Klang und Intonation.

Da wundert es mich eben, dass du auf so Vieles verzichtest zu Gunsten von Effekten, die man meiner Ansicht nach auch durch andere Fähigkeiten erreichen könnte. Du sagst ja: Ich kann mich bewegen, ich kann besser Aktionen mit den Kindern machen, ich habe die Hände frei, ich kann Bewegungen vormachen: Dafür brauche ich das Headset.

„Moderationen mit dem Headset und Gesangsparts mit dem Mikrofon“ 

Cattu: Ich verstehe. Mich hat die Frage auch nach unserer letzten Diskussion auf der Kieler Woche sehr beschäftigt. Du hast ja von Detlev Jöcker erzählt, der schon vor vielen Jahren die Moderationen mit dem Headset gemacht hat und die Gesangsparts mit dem Mikrofon. Das wäre für mich jetzt auch mal eine Idee.

Meinen „Tierstimmen-Rock’n’Roll“ könnte ich super mit dem Mikrofon machen: Ich stehe am Platz, singe mit den Leuten und mache Action mit der Gitarre. Die Frage wäre dann natürlich, ob das vom Gesamtklang nicht komisch wird, wenn man ständig zwischen Handmikro und Headset wechselt.

Matthias: Ich finde, das wäre auf jeden Fall vertretbar. Das würde zumindest meine Gegenargumente entkräften: Du hättest das Bild vom Sänger mit dem Mikrofon, du hättest den Klangvorteil des Mikros und du hättest die Mikrofonarbeit zur Verfügung.

Cattu: Aber wenn du eine Nummer hast mit Ins-Publikum-gehen und Halli-Galli-machen und Bewegungen: Dann aufs Headset umschalten

„Es gibt Stücke, bei denen man auf das Handmikro nicht verzichten kann“

Matthias: Das wäre wieder eine Frage der Regie und der Vorüberlegungen fürs Programm. Vielleicht zeichnet sich da tatsächlich eine Kompromisslinie ab: Es gibt Stücke, bei denen man auf das Handmikro nicht verzichten kann. Und es gibt andere, die sängerisch vielleicht nicht so anspruchsvoll sind …

Cattu: … bei denen der Animationsanteil eine gewisse Wichtigkeit hat …

Matthias: … sodass ich entscheide: In diesem Fall kann ich den sängerischen Part auch durch das Headset transportieren. Es gibt in meinen Programmen in der Tat ein oder zwei Stellen, bei denen ich mir das auch schon mal gewünscht habe. Im aktuellen Programm habe ich einen Tauchgang: „Ab in die Tiefe“. Da singe ich keine einzige Silbe, ist ein reiner Sprechgesang, also ein gesprochenes Stück. Und jedes Wort ist mit einer Bewegung verbunden, die ich vormachen muss, bei der ich eigentlich auch beide Hände brauche, ich gehe in die Hocke, setze mich hin, stehe wieder auf … an der Stelle könnte ich mir gut vorstellen, aufs Headset umzuschalten.

Ein großer Bewegungsspielraum: Für Cattu das Hauptargument für den Einsatz des Headsets.

Ein großer Bewegungsspielraum: Für Cattu das Hauptargument für den Einsatz des Headsets.

Ich mache es jetzt mit dem Mikro in der Hand, aber dann fehlt mir immer eine Hand für die Bewegung. Geraldino hat das mal so wunderbar auf den Punkt gebracht: Er hat so eine Hiphop-Nummer – „Rotkäppchen“ – und wollte das Publikum auffordern, beim „He-ho“ mitzumachen und dabei beide Arme hin- und herzuschwenken. Beim Vormachen hatte er natürlich das Mikro in der Hand. Als daraufhin im Publikum auch alle einen Armen hob, sagte er: „Ey, macht das bitte mit beiden Armen, mit einem sieht’s bescheuert aus. Aber ich kann nicht anders, ich muss das Mikro halten!“

Cattu: Okay, das kann man natürlich höchstens einmal bringen im Programm.

Matthias: Es wäre also für mich eine Idee, die es wert ist, darüber nachzudenken.

„Ein stehendes Mikro zentriert ja alle, nicht nur dich und das Bühnengeschehen“

Cattu: Mir fallen sofort einige Stücke ein, bei denen ich tatsächlich stehe. Die könnte ich wunderbar transportieren – und auch alles, was da passiert – ohne, dass man von der Bühne hüpfen muss.

Matthias: Man darf ja auch nicht vergessen: Ein stehendes Mikrofon zentriert ja alle. Nicht nur dich und das Bühnengeschehen, sondern auch das Publikum. Wenn du zum Beispiel dein Korallenriff machst, bei dem du im Publikum rumläufst mit den Kindern und möchtest anschließend den Fokus wieder auf die Bühne haben, dann ist ein dort stehendes Mikrofon eine Hilfe: Aha, er geht zum Mikrofon und singt da jetzt rein, da müssen wir jetzt wieder hingucken – das ist für alle logisch.

Cattu: Hast du denn ein Kabel- oder ein Funkmikrofon?

Matthias: Ich habe immer ein drahtloses.

Cattu: Wobei ein Kabelmikrofon eigentlich besser wäre. Wennschon, dennschon …

Matthias: Das stimmt. Ich habe natürlich ein hochwertiges Mikrofon und sehe mich da auch eher in der A-cappella-Tradition. Da wird ja inzwischen überwiegend mit Keulen ohne Kabel gearbeitet. Für mich ist das auch eine sängerische Haltung: Mit dem Mikrofon in der Hand auf das Publikum zugehen, Leute „ansingen“…

Cattu: Ich genieße es übrigens auch, dass ich freier bin beim Gitarre spielen. Ich muss nicht die ganze Zeit darauf achten, mit dem Mund am Mikrofon zu kleben. Das kann man lernen, das ist die hohe Schule, denn sonst hast du ständig Löcher und das Publikum hört nur noch die Hälfte.

Jetzt gibt es einige, die sagen würden: Ist doch bloß ein Kinderliederkonzert. Das würden wir aber nicht unterschreiben wollen …

Matthias: Nein, das wäre fatal. Deswegen machen wir uns ja all diese Gedanken. Ein Kinderliederkonzert erfordert eine Auseinandersetzung mit all diesen Fragen, wie bei jedem anderen Konzert auch.

„Ein sehr hoher Anspruch ist wichtig“ 

Cattu: Den Anspruch sollten wir auf jeden Fall haben. Aber es ist schwierig. Ich selbst habe ca. anderthalb Jahre bei einer Rocksängerin Mikrofongesang geübt. Auf was man da alles achten muss, ist nicht ohne. Vor allem, wenn man nicht nur singt, sondern auch noch eine Gitarre in der Hand hat. Ein sehr hoher Anspruch.

Matthias: Und der ist auch wichtig. Und wir werden sehen, wie es in der Zukunft bei den Kinderkonzerten aussieht.

Cattu: Wir werden das beobachten. Auch bei den Kolleginnen und Kollegen.

"Eine Rockband mit einem Headset wäre wie Roland Kaiser mit einer E-Gitarre", ist sich Matthias Meyer-Göllner sicher.

„Eine Rockband mit einem Headset wäre wie Roland Kaiser mit einer E-Gitarre“, ist sich Matthias Meyer-Göllner sicher.

Matthias: Ja, vielleicht äußern die sich ja auch mal dazu. Was sie meinen und wie ihre Erfahrungen sind. Und ich werde dieses Gespräch zum Anlass nehmen, zu überlegen, das Headset an bestimmten Stellen einzusetzen. 

Cattu: Und ich würde genau das Gegenteil tun. Es ist ja vollkommen klar, dass die Klangqualität mit einem Handmikro besser wird. Ich habe bisher noch nicht so genau darauf geachtet, wie andere Musiker unseres Genres das machen. Hast du da mal drauf geachtet?

„Ein richtiger Rocker würde nie ein Headset benutzen“

Matthias: Ja, durch das Festival arbeiten wir ja eng mit den Kollegen und Kolleginnen zusammen – wie du ja selbst in diesem Jahr erfahren hast – und da gibt es wirklich alles.

Cattu: Wie machen die Rocker das denn?

Matthias: Ich glaube ein richtiger Rocker würde nie ein Headset benutzen. Ausnahme sind die Blindfische. Die haben allerdings einen sehr hohen Show- und Theateranteil, einen, der es auch verdient, so bezeichnet zu werden. Ansonsten wäre eine Rockband mit einem Headset wie Roland Kaiser mit einer E-Gitarre. Und ansonsten habe ich beobachtet: Diejenigen, die auf Gesang wirklich Wert legen, benutzen oft lieber ein normales Mikro.

Cattu: Mir fällt zum Beispiel Mai Cocopelli ein. Die hat eine wunderschöne Stimme und die hat immer sehr hochwertige Headsets, so wie ich es beobachtet habe. 

Matthias: Das kann sein. Vielleicht muss sich Mai dazu nochmal äußern.

 

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1 Antwort

  1. Hallo ihr Lieben! Vielen Dank für dieses unterhaltsame „Streitgespräch“.
    Ja, bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Und ja – ich bin tatsächlich eine Headset-Anhängerin, oder es hängt sich bei mir an! Ich würde mir aber kein so großes schwarzes Mikro ins Gesicht stecken, so wie Cattu. Mit einem Sony Mikrophon hab ich meine Karriere begonnen. Ich hab dieses gleich mal eingetauscht, gegen eines von DPA. Das ist verschwindend klein, eines von denen, die auch Musicaldarsteller meist am Kopf kleben haben. Meiner Erfahrung nach sind ganz viele Techniker begeistert sind vom Klang. Klar kommt es nicht an ein Handmikro ran und ist etwas sensibler in der Aussteuerung. Aber ich selbst bin auch sensibel und wenn man nicht den aktiven Vergleich mit einem Handsender hat, fällt der klangliche Unterschied im Konzert nicht mehr auf.
    Der Grund warum ich mein beiges Headset verwende ist der, dass die Kinder auch meine Mundbewegungen sehen können. Ich glaube, dass dieser Aspekt des Verstehens durch das Sehen der Lippenbewegungen nicht zu unterschätzen ist. Für mich ist dies neben der Bewegungsfreiheit der wichtigste Grund warum ich ein Headset verwende.
    Dass ich ein Mikrostativ bräuchte um alle inklusive mir zu zentrieren, wäre mir ganz neu. Ich sehe es so, dass mein Fokus die Aufmerksamkeit lenkt. Wenn ich möchte, dass Kinder aus sich rausgehen sollen, lebe ich es vor. Wenn meine Aufmerksamkeit bei einem Solisten liegt, bleibe ich bei ihm, weil ich ja flexibel bin. Wenn ich etwas zur Band sagen möchte, das niemand hören soll, mute ich mein Headset selbst, oder wir sprechen über unsere Augen miteinander. Das ist alles möglich und sogar lustig!
    Dass ich eine Sängerin bin ist auch jedem klar, denn wenn ich meinen Mund aufmache kommen da Töne raus. Dazu brauch ich nicht auch noch ein Mikro vor mir stehen zu haben. Ich möchte einfach nicht, dass irgendwas zwischen mir und den Kindern ist. Mir ist es wichtig, dass die Kinder mitbekommen, dass jeder, wirklich jeder singen kann. Das können nicht nur jene, welche ein Mikrofon vor sich stehen zu haben, sondern man öffnet einfach den Mund und es kommt Musik raus.
    Wenn ich allerdings große Open Air Festivals spiele dann tausche selbst ich das Headset manchmal wegen der Rückkopplungsgefahr gegen ein Handmikro ein, oder verwende das Headset nur zur Kommunikation. Grundsätzlich liebe ich aber mein Headset und wenn ich durch ein Mikro singen muss komm ich mir irgendwie „gefesselt“ vor. Beim Yoga brauche ich auf der Bühne sowieso meine Freiheit.

    Das Gute ist ja, dass jeder seinen Stil und seine Methode hat, die Kinder zu begeistern. Zum Glück gibt es nicht nur einen einzigen Weg, gute Musik für Kinder zu machen. Ob Headset oder Standmikrofon: Hauptsache der Klang ist schön und angenehm in unseren Ohren! Und das bestimmt nicht nur die Technik, sondern mindestens genauso unser eigenes Organ!
    Aho! Eure Mai

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