2 mal 3 Fragen an … Suli Puschban

SULI PUSCHBAN – Sie ist ein Phänomen. Ein Unikat in der Musiklandschaft, das sich jeder Einordnung widersetzt: Liedermacherin, Kinderliedermacherin, Kabarettistin. Charmant, witzig, tiefgründig.

„Kinderlieder sind kein Kinderspiel!“, sagt Suli Puschban und schreibt über das Kindsein in Berlin, wo sie seit vielen Jahren lebt. Ihre eigenen Wiener Wurzeln finden sich in allem als Zuckerspuren wieder. Konzerte, Komposition und Umsetzung von Liedern für Theaterstücke, Workshops, Singen in der Schule, all das hat Suli zu bieten. Sie hat für die Rosa-Parks-Grundschule in Berlin, Kreuzberg das Schul-Lied „Rosa Parks bist du“ geschrieben und als Video produziert!


– Fragen von Elke Kamper–

Suli Puschban

Suli Puschban

Was macht ein Lied zum Kinderlied und wie einfach darf es sein?

Ein Kinderlied wird meines Erachtens durch zweierlei zum Kinderlied: Diejenige, die es geschrieben hat, deklariert es als solches und es gefällt Kindern und wird von ihnen gesungen.
Was heißt schon »einfach«? Gibt es nicht diverse Hits, die aus drei Akkorden bestehen? Ist einfach gleich eingängig?
Für mich als Kinderliedermacherin ist es die größte Auszeichnung, wenn ich über den Schulhof gehe und ein Kind auf der Schaukel eines meiner Lieder singt!

Welches Kinderlied gefällt dir besonders gut und warum?

Oh, da möchte ich gerne „Ich sehe aus wie Elvis“ anführen. Ist ein bisschen frech vielleicht, weil es von mir ist! Aber es hat alles, was ein „modernes“ Kinderlied braucht: einen witzigen Text, eine klare Struktur, eine Hookline im Refrain, die im Kopf bleibt, inhaltlich positive Bestätigung: „Sing, weil du es kannst!!!!“

Warum bist du eine gute Kinderlied-Erfinderin?

Ich schreibe Lieder über Menschen, die mich bewegen. Ich schreibe über Kinder, die ich kenne. Die Kinder finden sich in meinen Liedern wieder. Die Erkenntnis, dass die eigene Geschichte eine interessante Geschichte ist, öffnet die Augen. Das will ich erreichen. Offene Augen. Offene Ohren. Selbstbewusstsein. Ich bin anders als andere. Ich habe kurze Haare. Frech. Ich zeige ein anderes Rollenbild als Frau. Mädchen müssen nicht langhaarig, hübsch und lieb und brav und still sein.

Wie kritisch und politisch darf ein Kinderlied sein?

Ein Kinderlied darf, wie jedes Lied, alles sein und alles machen. Letztendlich entscheiden die, die es hören wollen, ob es Resonanz findet oder nicht. Was ein Kinderlied nicht braucht, ist ein pädagogischer Zeigefinger. Meine eigene Haltung als politischer Mensch, als Feministin, als Künstlerin findet aber natürlich in meinen Liedern Ausdruck.

Suli, du bist eine der wenigen im Kinderliederbereich, die auch für deutlich ältere Kinder (10-12 Jahre) performt. Wie kam es zu dieser Vorliebe, Musik und Auftritte für ältere Kinder interessant zu machen?

Ich liebe es, wenn junge Menschen meine Sprache verstehen. Wenn sie in der Lage sind, Sprachwitz zu erkennen, authentische Performance an sich heran lassen, ein Stück mitgehen in meine Welt. Die Pubertät ist ein Hammer und denen, die gerade auf dem Sprungbrett zur Jugend stehen, noch einmal ein Seil zuzuwerfen, das sie zurückbringt in den „Flow“ der Kindheit, das macht mir Gänsehaut. Neulich erlebt mit einer 6. Klasse in Hellersdorf. Das ganze Gepose und coole Rumgetue. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. Irgendwann fragt mich eine der Schülerinnen, ob ich mir die Songs alle selber ausgedacht hätte und was das erste Kinderlied gewesen wär, das ich geschrieben hätte. Ich sagte: Unter Wasser. Eine Phantasiereise. Ich spielte es. Ein ganz leises Lied. Es war knisternd still, während ich spielte. Vielleicht einer der tollsten Momente in meiner Kinderliedermacherinnenkarriere!

Mit dem Lied „Ich hab‘ die Schnauze voll von rosa“ hast du einen der Kultsongs in der Kinderliedermacherinnen-und macherszene geschaffen! Wovon hat Suli Puschban denn schon mal so richtig die Schnauze voll?

Davon, dass zu wenige Frauen den Weg zum Musikerinnen-Sein finden. Meistens sind Frauen Sängerinnen mit einer männlich besetzten Band. In der Kinderlieder-Landschaft sind Frauen deutlich in der Minderheit, in pädagogischen Berufen deutlich in der Mehrheit. Das Genre „Rockmusik für Kinder“ ist von Männern dominiert. Ein Abbild des Grundproblems Patriarchat. Schnauze voll davon, aber echt. Mädchen und Frauen: Spielt Instrumente, haut auf den Putz, macht, was ihr wollt!

Link:
www.sulipuschban.de

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4 Antworten

  1. @KamperElke Danke an das Kinderlieder-Magazin für diese tolle Interview und Eure fantastische Arbeit!!!!

  2. Jochen Vahle sagt:

    Suli for President! Sie sieht aus wie Elvis….und ist sooooo cool!

  3. Plapperstein sagt:

    Du bist cool Suli Puschban

  4. Astrid Hauke sagt:

    Suli Puschban schenkt Kids Kraft, Selbstbewusstsein und viel Wertschätzung! Sie schneidet Machos den Weg ab und rollt den roten Teppich für die Mädels aus. Must watch! http://youtu.be/LP20VFbQsHw

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